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Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

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Sonntag, 15. Dezember 2013

Achso, na dann

Vorweihnachten ist die beschissenste Zeit überhaupt, gekrönt mit einem total überschätzten Fest, dass einem sowieso schon vier Wochen vorher aus allen Ohren kommt. Ich kann nicht mehr mit dem Rad durch die Innenstadt fahren, weil an jeder zweiten Ecke eine Schunkelgruppe steht und sich den Hals mit Glühwein zukleistert. Und die Ecken dazwischen sind gefüllt von Schifferklavier-, Geigen- und Panflötengangs, die ihr Gedudel leider nicht nur auf CD anbieten.

Auch die Leute sind plötzlich komisch, und ich meine damit nicht nur die Schunkelgruppen. Ständig wird etwas missverstanden, umgedeutet und übel genommen. Die Nerven liegen blank und die Haut scheint nicht dicker, als das Alupapier um den Schokoladenweihnachtsmann.

Apropos Süßkram, das einzig Schöne war bislang immer, das Marzipanbrot aus dem Supermarkt, das mit Nougatkern. Das gab es immer pünktlich ab Oktober und an Heiligabend konnte ich es dann nicht mehr sehen. Das gibt es jetzt aber auch nicht mehr. Gestern habe ich gefragt, nein, zuerst habe ich mich gewundert. Da stehen 5 einsame Weihnachtsmänner in einem leeren Regal, wo sich doch auf den Gängen die Waren stapeln, dass sich wahrscheinlich schon in der Konzernzentrale darüber Gedanken gemacht wird, die Spurbreite der Einkaufswagen zu verschlanken, damit man da überhaupt noch durchkommt. Und dann gibt es da so eine Platzverschwendung. Das wird bestimmt gleich beräumt, denke ich und sehe schon jemanden eilig einherschreiten.

Hallo, wieso das Regal denn leer sei, frage ich, und erhalte zur Antwort, die Weihnachtsartikel seien alle restlos ausverkauft. Kommen keine mehr rein, hake ich nach. Nein, das lohnt sich nicht mehr, so kurz vorm Fest. Achso, na dann.

Samstag, 7. Dezember 2013

Applaus befohlen

Ich saß gerade in der Kantine, als die Durchsage kam. „In 5 Minuten ist das Stück zu Ende, dann kommt Applaus.“ Diese hoffnungsfrohe Botschaft hat natürlich einen ganz eigenen Sinn, den ich hier vorerst nicht erläutern möchte, mir geht es vorerst um die Sinnvarianten, die damit nicht gemeint sind.

Einerseits hat diese Aufforderung – und so viel steht in jedem Fall fest: es ist eine Aufforderung – natürlich den Charakter eines frommen Wunsches, denn gerade heute, wo auch noch Premiere war, hätte ja statt Applaus auch ein Buhrufchor seine vielen Stimmen erheben können. Immerhin weiß man ja nie, ob ein Stück geglückt ist, bis dann der erlösende, tosende Beifall ertönt.

Auf der anderen Seite sind gerade bei Premieren natürlich sehr viele Theaterangehörige im Publikum, um genau das oben beschriebene Szenario zu verhindern. Außerdem könnte man ja auch meinen, dass der Aufruf zum Applaus an das Publikum gerichtet sein mag, dieses nur nicht hören kann, weil es ja vor und nicht hinter den Kulissen sitzt. Dann wird es erst recht absurd.

Ich saß gerade mit zwei Kollegen in der Kantine, als die Durchsage kam. Ich fragte, ob dies immer durchgerufen würde, weil ich das von der kleinen Bühne nicht kenne. Da wird immer nur angesagt, das Stück sei jetzt vorbei, vielen Dank allen Beteiligten und schönen Abend. Ja, das wäre immer so. Das ist ja die große Bühne. Da wird der Applaus noch befohlen. Da geht es ab. Man hört das Johlen noch im Treppenhaus.

Vielleicht will man die wenigen Mitarbeiter hinter der Bühne aber auch warnen, dass die Geräusche, die so plötzlich anbranden, kein Grund zur Beunruhigung sind, vielmehr wäre keine Geräuschkulisse ein Grund zur Beunruhigung. Ohne Warnung steigt man aus dem Fahrstuhl und hört es laut klatschen, man verbeugt sich und stößt sich womöglich an der zuschlagenden Fahrstuhltür oder man steigt gar nicht erst aus, sondern geht lieber einen Schritt zurück ins Innere der Kabine, weil man doch just einen Eimer mit Kunstblut am Leib trägt.

Und dann sind wir auch schon bei der eigentlichen Aussage „…dann kommt Applaus.“ Stellen Sie es sich ungefähr so vor, als säßen Sie mit Ihrer oder Ihrem Holden im Wohnzimmer und plötzlich äußert diese: „Mir ist kalt.“ Das ruft Mitleid hervor oder es nötigt einem vielleicht die Decke ab, in der man es sich gerade gemütlich gemacht hat. Der eigentliche Satz aber lautet: „Es zieht, mach das Fenster zu!“ So müssen wir den Satz verstehen. Denn Schauspieler, die bereits früher von der Bühne abgehen, verlaufen sich automatisch in die Kantine und halten eine kleine Pause, wo sie dann 5 Minuten vor Ende des Stückes zurückgerufen werden, um den Applaus zu empfangen. Ja, so war das.

Freitag, 6. Dezember 2013

Namensschilder richtig falten

Es gibt ja bekanntlich für alles mehrere Lösungen und häufig sind sogar mehrere darunter, die etwas taugen. Leider sind aber mindestens die Hälfte immer Mist, wie sich häufig nach erfolgter Erprobung herausstellt. Ich musste jahrelang studieren, um das herauszufinden und bekomme dafür leider keinen Abschluss. Trotzdem möchte ich meine Ergebnisse nun einmal präsentieren:

Ein Namensschild zu falten gehört, wenn man über zwei funktionierende Hände verfügt, für niemanden zu den Herausforderungen, mit denen man sich rühmen kann. Man nehme dafür ein Blatt Papier, falte es in der Mitte und stelle es auf. Selbst Kleinkinder, oft weder des Lesens und des Schreibens mächtig, können dann ihren Willi draufsetzen und das Ergebnis auf einen Tisch platzieren. Studenten machen das genauso; nur anders.

Studenten werden des Öfteren – in letzter Zeit wieder häufiger, weil langjährige Professorinnen in den Ruhestand gehen und durch einsemestrige Kurzzeitvertretungen ersetzt werden – dazu aufgefordert, ein Namensschild zu produzieren. Bei einem Professor, der mir und fast allen anderen Teilnehmern des Seminars eher unbekannt war (anderes Institut wildert fremd), sollten wir unsere Vornamen draufschreiben. Er tat das Gleiche mit seinem Vornamen und wir redeten uns, mit Sie, aber in lockerer Atmosphäre an. Die Kurzzeitdozentinnen, die häufig sogar jünger als ich sind, verlangen stattdessen, unseren Nachnamen zu erfahren, halten es aber nicht für notwendig, ihren Namen ebenfalls zu Papier zu bringen. Welche von beiden Varianten nun jovialer erscheint, sei nicht unsere Sache, es lohnte sich aber an anderer Stelle vielleicht einmal darüber nachzudenken.

Zu den Schildern also: Es scheint auf den ersten Blick tatsächlich leicht, sich ein solches anzufertigen, allerdings mit unterschiedlich lang anhaltendem Erfolg. Die beiden häufigsten Varianten, die ich bei meinen Studien erkannt habe, lassen sich wie folgt beschreiben: Eine große Falte in der Mitte des Blattes und jeweils eine kleine an beiden Rändern, um für zusätzliche Stabilität zu sorgen. Man kann damit nicht, das „Aufblähen“ oder „Zusammenfallen“ verhindern, aber es ist eine Tätigkeit, die größtmögliche zeitliche Reserven abverlangt, was den Raum für Erörterungen innerhalb des Seminars eklatant verkürzt. Exzellente Falter haben nämlich häufig nichts zu sagen und auch niemals ein eventuell zuvor gebrauchtes Namensschild parat, sie falten immer neu und immer gleich.

Die mit nur wenigen Faltern repräsentierte Gruppe, verlässt sich häufig auf weniger Faltungen, entweder nur eine Falte in der Mitte oder vielleicht noch eine kleine Falte vorn. Das „Aufblähen“ oder „Zusammenfallen“ ist hier noch viel schlimmer. Oft fällt das Schild auch einfach in sich zusammen und wird dann durch die kleinen Faltungen vorn und hinten am Blatt nachträglich ergänzt. Das braucht natürlich viel Zeit. Zugutehalten muss man diesen Faltern allerdings, dass hier offensichtlich ein Lernprozess einsetzen kann, der zwar leider nicht von selbst ausgelöst wird, sondern eher ein Produkt der räumlichen Verhältnisse ist (z.B. durch offene Fenster oder glatte Tischplatten), aber immerhin, wir wollen nicht meckern. Zu dieser Kategorie zählte auch ich bis vor kurzem, der Lernerfolg blendete mich.

Seit neuestem aber bin ich der letzten Gruppe zuzuordnen. Diese bestand bei dem Referenzseminar meiner Untersuchungen aus nur einer Studentin. Sie holte einen zweifach gefalteten Zettel aus ihrer Tasche und stellte diesen auf den Platz vor sich. Die zwei Faltungen ergaben zwei ungefähr gleichgroße Abschnitte, auf denen sie vorn und hinten! ihren Namen aufgetragen hatte und einem dritten Teil, der etwas größer war und darunter zum Liegen kam. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, es hätte die kleine Schwester vom Erfinder des Smart Covers für Tablets sein können. Diese Variante steht wie eine Eins und sieht aus wie das Dach vom Nikolaushaus.


Die Zahlen in den jeweiligen Faltvorlagen bildet die Menge der Falter ab.

Ich übernahm diese Variante natürlich sofort für das kommende Seminar und lernte sogar noch dazu. Ich schrieb auf die Vorder- meinen Nach- und auf die Rückseite meinen Vornamen. Als ich mit meiner Erkenntnis und meinen Unterlagen ins Prüfungsamt ging, wurde ich dort nur müde belächelt. Das hätten andere auch schon versucht, sagte man mir da. Dort gab es gedruckte Namensschilder in Plastikständern.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Student Marengo

Da sitze ich in der Mensa und bearbeite gerade einen Hähnchenschenkel mit meiner Gabel. Ich sitze hier völlig allein inmitten von Hunderten von Studenten an einem Tisch auf einem Stuhl, den ich besorgt höflich heranrücken muss, wenn jemand daran vorbei möchte, und da ich niemanden habe, der mich auf bessere Gedanken bringen kann, muss ich das selbst tun. Ich stelle mir also die Frage, ob der Hahn glücklich war. Das ist keine Frage, mit der man gewöhnlich auf bessere Gedanken kommt aber genau das macht für mich den Reiz dieser Frage aus. Ich habe schon ganz andere Schlachten geschlagen.

Ich kaue gerade auf einem Stück Haut herum, das alles andere als knusprig und wohlschmeckend ist, als ich mich meiner Frage folgendermaßen zu nähern versuche. Worin unterscheidet sich ein glücklicher von einem weniger glücklichen Zustand? Das ist natürlich davon abhängig, was ich als Hahn darunter verstehen würde.

Sagen wir, ich käme zur Welt in einer kleinen Box mit Hunderten anderer Hähne und fahre kurz danach gemütlich über ein Laufband, während plötzlich eine Hand neben mich greift und einen offensichtlich kranken Hahn vom Laufband nimmt. Da es auf den Unterschied ankommt, um feststellen zu können, welcher Moment jetzt der glücklichere ist, bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als dem entfernten Hahn mein Beileid zu wünschen und mich glücklich zu schätzen.

In der Folge meines kurzen Lebens, gerate ich ständig in solche Situationen. Nebenbei fresse und picke ich, ich flattere herum oder ich schlafe unter dem Schein einer blauen Lampe, eingepfercht in einen Stall mit Hunderten meine Artgenossen. Immer bleibe ich übrig. Nur ganz am Schluss, da packen sie mich, töten und zerteilen mich. Mein Bein läge dann auf einem Teller, wie meinem, totgekocht in einer Tomatensoße mit Pilzen, dazu Kroketten mit einem so klingenden Namen wie „Hähnchenkeule Marengo“.

Ist das nicht glückliche Fügung, auf genau diesem Teller zu landen? Kann ich als Hahn nicht verlangen, dass, wenn ich schon am Ende gefressen werde, wenigstens mein Esser dabei glücklich ist? Ich als Esser des Beins würde sagen, dass es das Mindeste sei, was ich für den Hahn tun könnte. Und dennoch, ich sitze völlig allein unter Hunderten meiner Artgenossen an einem Platz, der kaum den Namen verdient und esse einen Hähnchenschenkel, der so lieblos in sich zusammenfällt, wenn ich nur einmal kurz aufseufze, dass ich eigentlich einen Löffel gebraucht hätte, statt einer Gabel und dann kommt so ein blöder Hahn und macht mir Vorwürfe, ich müsse doch glücklich sein bei dem Gedanken an ihn.

Wenn mich in diesem Moment jemand nach einer Definition von Glück gefragt hätte, ich hätte auf den Hähnchenschenkel gezeigt und gesagt, das bin ich, und wäre gegangen.

Donnerstag, 28. November 2013

Bürokratie ist alles, Studieren nichts

Ich war natürlich wieder auf dem letzten Drücker da. Das Prüfungsamt hatte gerade noch so geöffnet und ich stand mit ein paar anderen Studenten erstmal vor der Tür, bis mir aufging, dass die beiden einfach nicht wussten, dass die Tür offen ist und sie einfach eintreten dürfen. Es war ja schließlich gerade noch so Sprechzeit.

Heute endet der Zeitraum, um sich für mögliche Prüfungen anzumelden, ein von mir gern vernachlässigtes Datum. Ich nehme mir jedes Semester vor, sofort zu Beginn hinzugehen und am Ende laufen mir immer heißkalte Schauer über das Gemüt, weil ich jeden Tag daran erinnert werde und ich immer noch nicht da war. Ständig laufen einem Studenten über den Weg, die die Prüfungsanmeldung gerade vorhaben, wo es gerade erledigt ist oder wo einfach noch drüber geredet werden muss.

Ich ging also in den Raum mit meinen drei am Computer ausgefüllten Vordrucken. Alles in Schönschrift, gut lesbar und sogar eine maschinelle Verarbeitung wäre möglich. Aber da sitzt meine Lieblingssachbearbeiterin, kein Computer. Sie strahlt mich an, nimmt mir meine Zettel ab und klärt mich kurz auf über das Procedere. Wann ich ersehen kann, dass ich angemeldet bin, dass ich nicht heute Abend sofort unter meinen Zugangsdaten nachschauen kann, weil die Bearbeitung etwas dauert.

„Aber als alter Hase wissen Sie das natürlich, Herr Leisetöne. Da brauche ich Ihnen ja nichts vorzumachen“, generös zwinkert sie mir dabei zu und ich fühle mich einfach gut aufgehoben. Ich fühle mich immer gut aufgehoben bei ihr. Sie hat mit mir schon gemauschelt und getrickst, hier mal ein Modul angepasst und mir dort noch einen Tipp gegeben. Ich verdanke ihr viel. Dass sie mich erkannt hat, finde ich natürlich auch gut.

Einmal, vor ein paar Jahren, ich war gerade dabei meine Punkte zusammenzukratzen, um meine Bachelorarbeit anzumelden, da saß ich bei ihr und sie sagte mir in vertraulichem Ton: „Herr Leisetöne, jetzt mal ganz unter uns. Das Studium ist doch ein Klacks, das kann doch jeder. Aber die bürokratischen Hürden zu meistern, zu wissen, welche Scheine, wo benötigt werden, an welches Amt man sich wann meldet, das ist die eigentliche Weihe des erfolgreichen Studienabschlusses. Damit haben Sie endgültig bewiesen, dass Sie in unserem Verwaltungsapparat zu funktionieren wissen.“

Recht hatte Sie. Nichts ist schwerer als aus dem ganzen Papierkram schlau zu werden. Ich habe schon mehr als 3 verschiedene Prüfungsordnungen erlebt, und das in nur einem Fach! Ich schulde ihr auf jeden Fall etwas und ich schwöre, wenn ich fertig bin mit dem Studium, dann stelle ich dem Prüfungsamt eine Kiste Prosecco vor die Tür, anonym natürlich, sonst heißt es noch, ich hätte die Sachbearbeiterinnen bestochen.

Mit einem beschwingten Gefühl verabschiede ich mich von ihr, nachdem wir noch ein wenig geplaudert hatten und sie wollte gerade zur Erwiderung ansetzen, da schaute sie doch tatsächlich auf meinen Zettel und liest meinen Namen ab: „Tschüß Herr… Leisetöne, und viel Erfolg in den Prüfungen!“

Sie hatte mich gar nicht erkannt! Ihr erfahrener Blick, vergleichbar in etwa mit dem eines Fahrkartenkontrolleurs hatte sie lediglich dazu befähigt, schnell zu reagieren. An meiner Matrikelnummer, die mit einer 2 beginnt, hatte sie erkannt, dass ich schon geraume Zeit studiere – mittlerweile sind wir bei 4 als Anfangsziffer. Und mein Name steht ja ebenfalls auf dem Blatt, in Druckschrift, gut lesbar. Was hatte ich mir nur wieder eingebildet? Da gibt es tausende von Studenten und ausgerechnet mich erkannte sie wieder. Ich bin schon manchmal ein bisschen blöd.

Trotzdem. Ohne sie wäre ich vielleicht schon nicht mehr an der Uni, würde wieder Küchen verkaufen, zu Mondpreisen, die ich dann generös runterrechne – und mit dem geübten Blick eines Fahrkartenkontrolleurs würde ich sofort erkennen, ob sich das Geschäft lohnt oder ob ich lieber den Kunden dort hinten ansprechen sollte.

Montag, 25. November 2013

Kleist am Montag

„Montag ist Schontag“, begann mein Hauptfeldwebel einmal zum morgendlichen Antreten sein Ansprache, um uns kurz darauf in Stuben zu schicken. So ähnlich begann mein Tag heute, als ich mich der Lektüre meine heutigen Seminare widmen wollte. Ich stellte fest, dass die heilige Cäcilie von Kleist aus nur drei Seiten bestand. Ich druckte mir den Text aus und begann zu lesen. Mitten im Satz brach die Erzählung ab.

Von der Bundeswehr war ich später nichts anderes mehr gewohnt, wenngleich diese Eröffnung damals einigen Eindruck auf mich machte; von einem Seminar der Literaturwissenschaft hatte ich mir indes anderes versprochen.

Donnerstag, 21. November 2013

Gedrenge

Essen ist kein Spaß, vor allem wenn man Hunger hat und noch nicht an der Reihe ist. Ich stehe regelmäßig vor der Contine, der kleinen Mensa am Conticampus für einen großen Haufen von Juristen, BWLern, Germanisten, Anglisten und vielen anderen Studenten, die sich hier herumtreiben. Schon die Fachrichtungen alle aufzuzählen macht mir keinen Spaß, weil es zu lange dauert.

Die Contine ist eine so kleine Mensa, dass dort auf jedem Tisch ein Klappkärtchen steht, auf dem steht, dass das Benutzen eines Laptops zwischen 12 bis 15 Uhr verboten ist, damit die Neuankömmlinge, möglichst noch während der Vorbesitzer den letzten Bissens herunterhastet, auf dem vorgewärmten Platz Platz nehmen können. Wenn die Mensa es verbieten könnte, wäre selbst das Sprechen während dem Essen nicht erlaubt, um Zeit zu sparen. Hier wird das Besteck wie ein Staffelstab gereicht.

Es gibt in der Contine insgesamt 6 Schalter, an denen man sich mit Essen versorgen kann, davon sind zwei vegetarisch und der Rest ist Fleisch mit Soße oder Pommes mit C-Wurst und Soße. Regelmäßig stelle ich mich hinten an, um dann mit Erschrecken festzustellen, dass ein Pulk von angeblich teilnahmslosen Studenten, die nur mal kurz vorbei wollen, um ihre Karte noch aufzuladen oder auf die Speisekarte zu gucken, an mir vorbeirennen und sich am nächstbesten Schalter anstellen. Das geht deshalb so gut, weil das keine Sau nicht interessiert. Außer mir armen Sau, die sich darüber echauffiert.

Neulich bin ich auch zuerst gucken gegangen. Ich sah das eigentliche Problem der Schlangen. Sie zerteilt sich in zwei Hauptschlangen rechts und links vom Besteckregal und zerfasert dann zu einem eher losen Pulk in kleinere Einzelschlangen. Das ist wie eine Sanduhr, die rückwärts läuft. Drinnen wird es dann so unübersichtlich, dass man sich regelrecht durchkämpfen muss. Hilfestellung leisten dabei die überdimensionierten Tablettes, die man bäuchlings vor sich herträgt und anderen in die Nieren presst. Dreht sich doch einmal einer um, guckt man schnell nach hinten und ruft empört, wieso hier so gedrengelt wird.

Gedrengelt. Gedränge entsteht häufig da, wo es eng wird. Dass die beiden Worte keine gemeinsame etymologische Wurzel haben, ist schon mehr als erstaunlich, wo sie einander doch bedingen. Aber wahrscheinlich ist das nur wieder irgendwann vergessen worden, wie bei den anderen Wortpaaren, die sich meist auch noch zufällig reimen oder sich nur deshalb voneinander unterscheiden, weil vorher ein paar Konsonanten hinzugekommen sind. Nomen est omen, sage ich da nur.

Jedenfalls bin ich dann doch wieder hinausgegangen und habe mich brav an das Ende der Schlange gestellt. Ich habe mich einfach nicht getraut, da vorn zu bleiben und mich irgendwo reinzunuscheln. Ich bekam schlechte Laune und stellte mir vor, dass das Essen, was ich gleich esse, die Reste von gestern aus der Hauptmensa sind*. Als ich dann mein Essen hatte und endlich zwei Plätze an einem Tisch fand, besetzte ich gleich beide Plätze. Mein Rucksack platzierte ich auf dem Stuhl neben mir, und jedem der fragte, sagte ich, der Platz sei besetzt. Davon steht nämlich nichts auf den Klappkärtchen.


*Wenn Sie sich einmal die Mühe machen wollen, dann folgen Sie dem Link und schauen sich die Pläne genau an. Meine Vermutung ist nicht so weit hergeholt, wie ich mir das wünschen würde.

Montag, 18. November 2013

Ascher vergessen

Ich habe den Ascher vergessen. Premiere, frenetischer Beifall. Hochstimmung. Die Technik ist da ganz anders. Die Jungs bauen erstmal die Rampe für den Rollstuhlfahrer. Der sieht auch sein Gutes in ohne Beine, er darf durch die Hinterbühne zum Personalausgang, weil es da einen Fahrstuhl gibt. Da sieht er die Schauspieler sich feiern. Alle umarmen sich, während ich die Tür des Fahrstuhls ins Kreuz bekomme, weil ich die Lichtschranke nicht getroffen habe. Mein Chef hält die Tür zum Flur auf. Als wir fertig sind, kommt die Technik auf ein Gespräch zu meinen Chef. Da fehlte eine Ascher am Bühneneingang.

„Hast du den Ascher etwa nicht platziert?“ fragt er mich. Doch habe ich, erwidere ich. Ich habe den Ascher genau dorthin zurück gestellt , wo ich ihn vor dem Saubermachen hergeholt habe, auf den Requisitentisch im Vorraum. Ich hätte in die Mappe gucken sollen, in die Scheißmappe, wo immer alles drin steht. Ich Chaot, sagt mein Chef, dann ist das erledigt.

Wenn ich in einem ein Stück die Requisiten selbst zurechtlegen muss, renne ich immer wie angestochen über die Bühne, frage mich dabei mindestens einmal während der Vorbereitungen, wo ich diese verdammte Scheißmappe hingelegt habe, in der steht, wo welche Requisite hingehört. Ich bin total aufgeregt, gehe den Plan drei- bis viermal durch, gleiche alles ab.

Bei der Premiere bin ich immer ganz ruhig, weil ich da überhaupt nichts mache, außer so Kleinigkeiten wie ein bisschen Streu nachlegen oder einen Ascher vergessen. Da stehe ich ein wenig weiter weg und tue so, als ob mich das alles nichts anginge. Nur wer gezielt auf mich zukommt, bekommt ein dreifach Gespucktes über die linke Schulter serviert. Ich bin nicht dabei bei der Entstehung des Stückes, ich teile nie die Aufregung, ob alles klappt bei einer Premiere, weil ich meine ganz eigene Aufregung kultiviere.

Ich stehe bei den Premieren lieber im Abseits, lasse mich ungern umarmen und beglückwünschen. Ich bin ja nur der Verwalter dieser gewachsenen Struktur. Ich bin nur dabei, damit ich sehe, wie es später gemacht wird. Ich räume auf und ab.

Die Scheißmappe liegt immer irgendwo auf einem Tisch, wo ich zufällig vorbeikam und kurz Rast machte. Alles hat eben seinen Platz. Auch Ascher. Die Kippen liegen stattdessen auf dem Boden und ich sammle sie von Hand auf. Ich werfe sie in die Mülltonne der Bühnentechnik, auf der ein Zettel angeklebt ist, auf dem steht „Keine Lebensmittel!“

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