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Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

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Wort für Wort

Samstag, 18. März 2017

Wir brauchen mehr starke Verben!

Deshalb bin ich dafür, dass wir aus bevorzugen ein bevorziehen machen! Das gleiche gilt auch für beanstanden usw.

Sonntag, 15. Januar 2017

Glaubig

Vorweg bitte ich zu entschuldigen, dass es mir nicht möglich war, auf sämtliche Fachausdrücke aus der Sprachwissenschaft zu verzichten. Es handelt sich bei diesem fantastischen Wort um ein sehr junges Geschöpf, wenn nicht sogar nur um einen der feuchten Erde entsprungenem Keim deutscher Wortfindung, weshalb eine möglichst genaue, in diesem Fall bislang sogar einzigartige Klassifikation vorgenommen werden muss. Ich fühle mich deshalb geehrt und gleichzeitig in die Pflicht genommen, der erste Taxonom des Wortes glaubig zu sein.

Das Wort glaubig darf nicht mit dem Wort gläubig verwechselt werden. Es teilt sich mit diesem nicht nur einen sehr ähnlichen Wortstamm, der es in Zeiten der digitalen Kommunikation unheimlich schwer macht, es überhaupt ausfindig zu machen. Darüber hinaus sind auch die semantischen Unterschiede lediglich auf der Wortartebene zu unterscheiden. Gläubig ist ein Adjektiv. Als gläubig bezeichnen wir Menschen, die sich dem Faktischen gegenüber verschließen und lieber auf ihr Gefühl vertrauen. Bei glaubig liegt dem Ganzen nicht unbedingt nur ein Gefühl zugrunde. Vielmehr ist es eine Art von Wahrscheinlichkeit mit subjektiven Einschlag, die damit ausgedrückt werden soll.

Glaubig ist ein Adverb. Es übernimmt die Funktion eines sogenannten Satzadverbials und lässt sich in seiner Bedeutung durchaus mit dem Satzadverbial wahrscheinlich übersetzen. Wie oben bereits angedeutet hat es im Gegensatz zu wahrscheinlich allerdings eine subjektive Komponente, die sich auf die richtige Verwendung innerhalb der grammatischen Regeln auswirkt. Dazu ein Beispiel:

a) Gernot geht in die Schule.
b) Gernot geht wahrscheinlich in die Schule.
c) Gernot geht in die Schule wahrscheinlich.
d) Wahrscheinlich geht Gernot in die Schule.
e) In die Schule geht Gernot wahrscheinlich.

Ausgehend von Satz a bilden alle weiteren Sätze Modifikationen, die den Sachverhalt der Aussage abschwächen. Die unterschiedlichen Stellungen des Wortes wahrscheinlich ergeben sich aus den unterschiedlichen Fokussierungen, die wir vornehmen, die wiederum kontextabhängig sind. Was in Satz a noch Gewissheit war, wird in den folgenden Varianten eine Möglichkeit, deren absolute Menge an Möglichkeiten unbegrenzt, sich aus dem uns unbekannten Kontext heraus jedoch auf den Schulweg eingrenzen lässt. Vielleicht hat Gernot seine Schultasche dabei. Womöglich ist Gernot aber auch älter als sieben Jahre oder sieht zumindest danach aus, so dass die generalisierende Aussage, Gernot sei ein Schulkind, zutreffen mag. Wir wissen es nicht. Das ist aber auch völlig egal, ob Gernot in die Schule geht oder zum Bäcker. Das ist hier nicht der Punkt. Schauen wir uns die Sätze b-e einmal mit dem Satzadverbial glaubig an. Sprechen Sie die Sätze bitte laut aus und achten Sie dabei auf die richtige Aussprache von –ig. Insbesondere Eigner des hessischen Dialektes sollten hier auf den Trick zurückgreifen, sich das –ig am Ende des Wortes als ein –ich vorzustellen:

b) Gernot geht glaubig in die Schule.
c) Gernot geht in die Schule glaubig.
d) Glaubig geht Gernot in die Schule.
e) In die Schule geht Gernot glaubig.

Die einzige Variante, die sich unserem innewohnenden Sprachgefühl verschließt, ist die Variante d. Da glaubig über eine im Wortsinn beinhaltete Subjektivität verfügt, wäre es sozusagen doppelt gemoppelt, wenn wir die Fokussierung genau auf diese subjektive Sicht legen, nämlich, dass wir glauben, Gernot ginge in die Schule. Vielleicht wird dies in ferner Zukunft einmal möglich sein, so wie es mittlerweile ja auch möglich ist, mit weil eingeleitete Nebensätze mit Verbzweitstellung auszudrücken. Bislang konnte dieses Verhalten bei der Verwendung von glaubig jedoch nicht beobachtet werden.

Was bisher ebenfalls noch nicht feststellbar war, ist die Verwendung des Wortes als Adjektiv, so wie es bei wahrscheinlich durchaus möglich ist. Der wahrscheinliche Sieger ist denkbar, während der glaubige Sieger dämlich klingt. Noch! Wer weiß, was unsere Kindeskindeskindeskinder dazu denken werden.

Die Orthographie des Wortes glaubig hat sich nicht zuletzt aufgrund der anfangs nur mündlichen Verwendung des Ausdrucks relativ schnell eingebürgert. Die Schreibweise mit –ich am Ende wäre denkbar, konnte sich jedoch, nachdem die Schwelle vom Mündlichen ins Schriftliche überschritten war, nicht mehr durchsetzen. Dies verdanken wir wahrscheinlich den gut ausgebildeten Deutschlehrern, die unseren Kindern schon von früh an eintrichtern, dass ein –ich nur bei vorherigem –l, wie zum Beispiel bei herzlich, wahrscheinlich, höflich usw., zu schreiben ist, während alle anderen Konsonanten die Endung –ig fordern (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Am Ende noch ein paar wenige Worte zur Etymologie. Die Zusammenziehung aus dem Verb glauben und ich, die im Verlaufe ihrer Jahrhunderte währenden Verwendung – immerhin befinden wir uns am Ende der sogenannten Glaubensepoche – von glaube ich zu glaub‘ ich und dann zu glaubig wurde, trifft gerade in Bezug auf das Ende der soeben angesprochenen Epoche des Glaubens den Geist der Zeit. Noch sind wir nicht bereit, auf den Glauben zu verzichten, aber die Vereinfachung der Redewendung „glaube ich“ zu glaubig ist keine reine Notwendigkeit, die von den Sprechern des Deutschen ausgeht. Sie kündigt auch einen Zeitenwechsel an, denn mit dieser Vereinfachung schwindet auch die Macht des Glaubens. Vielleicht ist in zweitausend Jahren das Wort glaubig die einzige Brücke, die wir noch besitzen, um uns der Semantik des Glaubens überhaupt nähern zu können.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Die Quittung

Quittung. Ich wollte was zu dem urdeutschen Wort Quittung schreiben. Am Ende des Jahres erhält nämlich jeder eine Quittung, am Ende des Lebens sowieso und überhaupt, so sollte man denken, bekommt ein jeder die Quittung dafür, wofür.

Der erste Reinfall war natürlich gleich einmal die Wortherkunft. Entlehnt wurde das Wort nämlich aus dem Altfranzösischen und kommen tut es aus dem Lateinischen. Es hat keinerlei Verwandtschaft zur Quitte aber dafür ist es ein hundertprozentiger Ableger von quitt.

Mein Duden, also mein etymologisches Wörterbuch, tönt ja am Ende, also auf dem Umschlag, mit der Weisheit, dass Begriffe aus dem Bankwesen häufig oder fast ausschließlich aus dem Italienischen kommen. Die Quittung kommt nicht daher, oder sagen wir mal nur über drei Ecken. Nur über drei Ecken hat die Quittung auch etwas mit dem Bankwesen zu tun, weshalb ich meinem Duden diese höchst unzureichende Erklärung noch einmal verzeihe.

Aber wie ist das denn jetzt mit der Quittung? Die Quittung ist ein Notbehelf für all diejenigen, denen eine wirkliche Lösung ihrer Probleme versagt geblieben ist. Gehen Sie auf ein Geschäftsessen, gibt es einen Bewirtungsbeleg (Deutsch!), und kaufen Sie im Namen Für irgendetwas ein, gibt es einen Kassenbon (Bon = Französisch!). Eine Quittung bekommen Sie nur, wenn Sie danach fragen, und auch nur dann, wenn Sie jemanden fragen, der sich auf so etwas nicht sonderlich gut vorbereitet hat. Derjenige oder meinetwegen auch diejenige, die Ihnen eine Quittung ausstellt, hat womöglich einen Blankoblock aus einem Supermarkt gekauft, um sich für diesen unwahrscheinlichen Fall abzusichern. In den wenigsten Fällen benötigt diese Person den Durchschlag Ihres verlangten Dokuments.

Und was bedeutet das nun für uns? Die Quittung, die wir irgendwann einmal erhalten werden für das oder jenes, was wir getan oder gesagt haben, gibt es nur auf Bestellung und sie nutzt uns überhaupt nichts. Es sei denn wir sind Bibelfetischisten, Massenmörder oder sonstige Fanatiker. Darüber hinaus sind diejenigen, die uns diese Quittung ausstellen, nur bedingt darauf vorbereitet, das heißt, deren Urteil ist grundsätzlich anfechtbar, wenn überhaupt nur eingeschränkt gültig, denn die Person, die die Quittung ausstellt, hat ja gar nichts davon.

Wenn Sie also demnächst Bilanz (Italienisch!) ziehen und sich fragen, ob das Jahr 2016 ein erfolgreiches, ein gutes oder schlechtes Jahr war, dann verlangen Sie einfach keine Quittung! Es wird Ihnen niemand ungefragt eine ausstellen. Niemand macht Ihnen etwas zum Vorwurf, was Sie nicht ohne Quittung auch schon gewusst hätten. Lassen Sie die Quittung einfach mal weg. Es funktioniert.

Donnerstag, 29. September 2016

Von unbestimmten Zahladjektiven

Die unbestimmten Zahladjektive sind ein Mythos, den wir heute zu entzaubern versuchen. Dafür müssen wir zuerst einmal festlegen, was denn mit unbestimmten Zahladjektiven überhaupt gemeint sein kann. Und was eignet sich da besser, als diesen Wust an Vokabeln einmal auseinanderzunehmen:

Das Wort unbestimmt deutet ja schon darauf hin, dass es sich hierbei um einen Graubereich handelt, der Linguisten wie Lingiuniker aussehen lässt, denn in ihrer Verzweiflung scheint ihnen kein besseres Wort eingefallen zu sein, jedenfalls kein gut abgehangenes, der Distinktion dienendes Fremdwort. Zahladjektive ist ein genauso schwammiger Begriff, der spätestens, wenn Sie ihn auseinandernehmen nicht mehr zusammenzusetzen ist. Zahlen sind keine Adjektive und Adjektive sind keine Zahlen. Und auch der Kitt, das sogenannte, kollokativ benutzte „unbestimmt“ kann nicht darüber hinweghelfen, dass diese Ehe arrangiert worden ist.

Aber kommen wir nun zum Eigentlichen, den hier als Beispiel dienenden Wörtern viel und wenig. Viel ist ja bekanntlich mehr als wenig und weniger ist manchmal mehr. Ja, da geht es schon los mit der Unbestimmtheit. Viel ist nämlich mehr als wenig, während weniger auch weniger als wenig ist. Weniger ist aber auch mehr als am wenigsten und viel könnte auch weniger sein, wenn mehr weniger als am meisten ist. Da hört es dann nämlich plötzlich auf mit der Unbestimmtheit, denn was ist an am meisten oder am wenigsten noch unbestimmt? Weniger als am wenigsten geht nicht mehr und mehr als am meisten auch nicht. Bei der Komparation von unbestimmten Zahladjektiven kann deshalb gar nicht von einer Komparation gesprochen werden, sondern eher von einer Konkretation der Verhältnisse.

Das hilft natürlich herzlich wenig, wenn wir gar nicht wissen, was viel oder wenig bedeutet. Was übrigens auf sämtliche Adjektive zutrifft, denn Komparativ heißt Vergleichsstufe und ist aus dem Lateinischen entlehnt (comparare = vergleichen). Die Relativität des Vergleichs vermittelt nämlich erst die Bestimmtheit, was umgekehrt zur Folge hat, dass alle Adjektive unbestimmt sein müssen, sobald man sie steigern kann. Während ich als knapp 2 Meter großer Mann einen 1,75 Meter großen Mann als klein bezeichnen würde, gibt eine Frau mit 1,50 Meter Körpergröße diesen womöglich als groß an. Um auf die Frage zurückzukommen, die sich oben ergeben hat, ist es also bei viel und weniger die Menge, die unbestimmt bleibt.

Noch ein Grund auf das „unbestimmt“ zu verzichten, findet sich in der Bezeichnung „unbestimmter Artikel“, der gar nicht so unbestimmt daher kommt, wie es auf den ersten Blick scheint. Unbestimmte Artikel sind nur deshalb unbestimmt, weil sie sich nicht auf ein bestimmtes Objekt beziehen, sondern auf eine Vielzahl von Objekten, denen ein Objekt als Statthalter, sozusagen ein Prototyp, dient. Die Menge, wie bei den Adjektiven viel und wenig, ist dabei keineswegs unbestimmt. Es ist immer nur ein Objekt. Diese höchst zweideutige Verwendung des Begriffes unbestimmt, macht es noch viel unfassbarer, was wir uns unter einem unbestimmten Zahladjektiv vorzustellen haben. Die weitaus geläufigere Verwendung des Unbestimmten findet sich nämlich bei den Artikeln, während unbestimmte Zahladjektive so etwas wie den Randbereich einer Peripherie darstellen, was die Benutzung des Fachterminus anbelangt. Jeder Grundschüler wird mit einem unbestimmten Artikel etwas anfangen können, während das unbestimmte Zahladjektiv schon allein wegen der eigentümlich vermurksten (angeblich kindgerechten) Sprachverhunzung „unbestimmtes Zahl-Wie-Wort“ heißen müsste. Wie? Ja! Wie! Fragen Sie mal mit Wie nach viel oder wenig!

Die Steigerungsstufen von viel sind diesem übrigens nur angedichtet und das im wahrsten (haha) Sinne des Wortes. Viel kann nämlich nicht gesteigert werden. Die Wörter vieler und am vielsten gibt es nicht. Schauen wir ins etymologische Wörterbuch, wird schnell klar, dass die Komparation von viel aus dem ursprünglichen Verb des Nhd. maeren stammt und stark mit dem heute noch gebräuchlichen Wort Märchen verwandt ist. Dass sich die Sprache und Sprachwissenschaft so herrlich fügt wie bei viel, mehr und am meisten, ist natürlich ein Sonderfall. Und dass Linguisten dem Ganzen einen komischen Namen geben, ist ein Unfall; womit wir wieder zwei Fälle geklärt hätten. Guten Abend.

Freitag, 19. August 2016

Die rätselhaften Urrasier

Als August Fick, ein berühmter Sprachforscher und Hobbyethnologe, zum ersten Mal von den Urrasiern berichtete, konnte sich niemand vorstellen, dass er mit diesem überraschenden Fund die gesamte Menschheitsgeschichte auf den Kopf stellen würde. Die Urrasier waren ein Volksstamm, der höchstwahrscheinlich im heutigen Indien seinen Ursprung hatte und seine letzte große Blütezeit nahe der Stadt Rom, im damaligen Albalonga erlebte. Die Urrasier und ihre Sprache, von der sich Reste in allen Sprachen des indogermanischen Sprachraums finden lassen, sind demnach die einzigen wirklichen Sprecher der sogenannten indogermanischen Ursprache. Höchstwahrscheinlich ist das Verschwinden dieses Volksstammes ein ähnliches Rätsel wie das Verschwinden der Etrusker. Man nimmt heute an, dass sich die verbliebenen Reste dieser einstigen Hochkultur mit den Römern vermischt haben und in ihnen aufgegangen sind.

Zum Beweis seiner Forschungsergebnisse ließ Fick in Albalonga Grabungen anstellen, um Relikte dieser längst vergessenen Zivilisation ans Tageslicht zu befördern. Gefunden hat er freilich wenig. Vor allem, das, was er dort vermutete zu finden, das sogenannte Urrasiermesser, ließ sich nicht nachweisen. August Fick argwöhnte dahinter eine breit angelegte Verschwörung, Fachkollegen, heute wie einst, schieben das Ausbleiben eines endgültigen Beweises Antoine Laurent de Lavoisier zu, der ja bekanntlich 1775 die Oxidation erfand.

Ein herzlicher Dank geht an Trithemius, der mich erst auf den Urrasiermythos brachte.

Freitag, 29. Juli 2016

Das Gebamsel

Was ist ein Gebamsel? Dieser spannenden Frage wird hier nicht nachgegangen werden, das wurde anderswo schon sehr ausführlich gemacht. Deshalb möchte ich hier nicht davon sprechen, was ein Gebamsel ist, sondern was ein Gebamsel sein könnte. Dazu habe ich ein Beispiel erarbeitet.

Das Beispiel ist dem Einweggetränkebehälterumgang entnommen. Es bezieht sich in erster Linie auf den Umgang mit der sogenannten Capri-Sonne, einem Fruchtsaftgetränk hart an der Grenze zum Zuckerwasser mit Farbstoff. An dieser Verpackung ist ein Strohhalm befestigt der sich aus hygienischen Gründen in einer Plastikhülle verbirgt, die es aufzumachen gilt, wenn man den Strohhalm in die Verpackung stechen und das Getränk zu sich nehmen möchte.

Damit das Ausstechen von Plastikhülle und Verpackung problemlos möglich ist, verfügt der Strohhalm am oberen Ende über einen schräg geschnittenen Abschnitt, der es erleichtern soll, sowohl die äußere Plastikhülle zu durchstechen als auch im weiteren Verlauf den Getränkebehälter an sich. Ersteres funktioniert nur in den seltensten Fällen. So oft ich selbst das Verfahren auch angewandt habe, es ging immer die untere Seite der Plastikhülle kaputt, so dass die dafür vorgesehene, obere Seite unberührt blieb. Optimisten könnten dahinter eine Absicht erkennen, damit für das Aufstechen der eigentlichen Getränkeverpackung der Strohhalm nicht im Vorhinein kaputt ginge, Pessimisten würden sagen, da läge ein Konstruktionsfehler vor.

Das eigentliche Problem jedoch stellt nicht der Strohhalm dar, sondern die Plastikhülle, die mordsmäßig verklebt an der Rückseite der Verpackung haften bleibt. Die beiden Enden, zwischen denen der Klebepunkt liegt, das ist Gebamsel. Bevor die Verpackung nicht genügend geleert wurde, sollte an dem Gebamsel zum Zwecke der endgültigen Entfernung nicht gezogen werden. Das äußerst sensible Getränk neigt zum Auslaufen bei geringster Druckzugabe, die leicht zustande kommt, wenn an dem Gebamsel gezogen wird. Nasse Hände, Hosen, Jackenärmel und andauernder Durst könnten die Folgen sein.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Einfalt, Ehe und Beziehungsverdacht

Der interessierte Laie wird sich sicher schon häufiger gefragt haben, warum es in der Sprachwissenschaft so viele Fremdwörter braucht, zumal diese in der Sprachwissenschaft des Deutschen häufig nicht aus der deutschen Sprache entnommen, sondern von, sagen wir mal „gelehrteren“ Sprachen abgeleitet ist. Die lateinische Sprache ist dafür prädestiniert, denn Latein lernt ja heute kaum noch einer (außer Mediziner, Religionswissenschaftler und Althistoriker). Dass die daraus für die Wissenschaft gewonnenen Begriffe als Mittel der Distinktion herhalten müssen, ist deshalb keine Neuigkeit. Aus diesem Grund wollen wir uns heute zwei Begriffe ansehen, die irgendwie mit einander zu tun haben. Es geht um die Kookkurrenz und die Kollokation.

Auffallend an beiden Begriffen ist die Verdopplung der Buchstaben. Die Kookkurrenz hat gleich drei solcher Häufungen, während die Kollokation mit einer auskommt. Irgendwie ist das auch in die Bedeutung der beiden Vokabeln hineininterpretierbar. Die Kookkurrenz mit ihren vielen Verdopplungen ist nämlich nicht so einfach zu fassen. Es handelt sich dabei um das gemeinsame Auftreten mehrerer Wörter, bei denen der Verdacht nahe liegt, dass sie zusammen gehören. Die Kollokation bedeutet im Prinzip das Gleiche, nur ist der Verdacht hier bestätigt, sei es nun aus semantischer (Bedeutung) Sicht: Nacht und dunkel, oder grammatikalischer (das eine bestimmt das andere und nimmt auf dessen Erscheinungsbild Einfluss) Sicht: dunkle Nacht.

Wir können also getrost von einem Beziehungsverdacht sprechen, wenn wir die Kookkurrenz meinen. Aus der Kollokation machen wir die Ehe, wenngleich diese natürlich niemals monogam geführt wird.

Kommen wir nun zu einem Beispiel. Dafür habe ich mich, inspiriert durch den Kollegen Lo, an das Wort Einfalt herangewagt. Unter Beziehungsverdacht stehen hier einige Verbindungen: Vielfalt, statt, heilige, Oh, haben wir, edle usw. Unter Beziehungsverdacht stehen diese Wörter auch deshalb, weil die Verbindung nicht unbedingt dadurch entstehen muss, dass die Wörter direkt nebeneinander stehen. Sie können sich das ungefähr vorstellen wie ein Klassenfoto der 10. Klasse, bei dem hinter dem Rücken einer in der Mitte stehenden Person die jeweils links und rechts davon stehenden Personen Händchen halten. Auf dem Foto sieht man davon nichts, höchstens an den genervt nach oben verdrehten Augen des mittig Stehenden.

Seit Jan Hus im Jahre 1415 auf dem Scheiterhaufen genau diese Phrase ausgerufen haben soll, wissen wir aber, dass es sich bei den Wörtern „Oh“, „heilige“ und „Einfalt“ nicht mehr nur um Wörter im Beziehungsverdacht stehend handelt, sondern um ein sogenanntes geflügeltes Wort. Die drei Wörter sind in den heiligen Stand der Ehe gerückt. „Oh heilige Einfalt!“, soll er gerufen haben, als eine Frau ganz eifrig mehr Feuerholz aufstapelte; aber nicht auf Deutsch, sondern auf Latein: „O sancta simplicitas!“, Sie wissen schon, die Distinktion.

Freitag, 13. Mai 2016

Unvermutetes knorkeln

Da geht man gerade vom zweiten Obergeschoss in das erste hinunter und bleibt plötzlich mitten auf halber Treppe stehen, weil einem das Wort „knorkeln“ in den Sinn kommt. Noch dazu einen Sessel tragend, auf dem ein Kissen liegt, auf dem wiederum ein ausgedienter Übertopf gebettet ist. Schon allein die Vorstellung, dass so etwas überhaupt möglich ist, verschlägt einem die Sprache. Da muss man gar nicht mehr wissen, was das Wort überhaupt bedeutet.

Neben den ganzen anderen Umständen muss der Sinngehalt dieser höchst ungewöhnlichen Vokabel verblassen, zumal es für alles andere eine Erklärung gibt. Ich tat das Kissen auf den Sessel, weil ich keine Hand mehr frei hatte. Den Übertopf tat ich aus dem gleichen Grund auf das Kissen, nicht zwischen Kissen und Sessel, wo er geschützter gelegen hätte, nein oben drauf. Ich hoffte, die Sache erledigt sich vielleicht noch von selbst, denn alle drei Dinge sollte ich in den Keller bringen. Der Übertopf hätte mir aber auch kaputt gehen können auf dem Weg dorthin.

Dinge, die man in den Keller tut, verbleiben da häufig bis zum Um- bzw. Auszug, wo sie dann entweder in den nächsten Keller verfrachtet werden oder für kurze Zeit in der neuen Wohnung bleiben, um dann wieder im Keller zu landen, außer sie fallen zwischendurch runter. Unser Übertopf steht jetzt neben einem anderen ungeliebten Übertopf in einem Regal im Keller. Ich sehe mich ihn dort bereits erneut herausnehmen und irgendwohin schaffen, in einen anderen Keller, denke ich.

Obwohl ich noch gar nicht im Keller war zu diesem Zeitpunkt, denn ich ging ja gerade erst nach unten, muss sich mein Geist in vorauseilendem Gehorsam in denselben versetzt haben, um dort im Unterstübchen meines Oberstübchens das Wort „knorkeln“ heraus zu tun. Ich weiß natürlich, was es bedeutet, habe es früher sogar recht häufig benutzt. Sie glauben ja gar nicht, was man so alles knorkeln kann. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht nicht um die Bedeutung, sondern um den Umstand, wie dieses Wort neben all den erklärbaren Umständen auf halber Treppe zwischen zweitem und erstem Obergeschoss, während ich bewaffnet mit einem Sessel, einem Kissen und einem ausgedienten Übertopf auf dem Weg in den Keller war, in meinen Kopf geriet. Ich schätze, damit hat noch niemand gerechnet. Für so etwas können weder die Quantenphysik noch die Relativitätstheorie herhalten.

Freitag, 6. Mai 2016

Bürokratisierung - alternativlos?

Schlaf ich jetzt das Stündchen oder stunde ich das Schläfchen? Erst mal gucken, ob man das überhaupt so sagen kann. Bei stunden findet sich bei der Bedeutungsübersicht das schöne Wort prolongieren. Bei den Synonymen steht es erst an letzter Stelle mit dem in Klammern gehaltenen Zusatz „(Wirtschaft)“. Das bedeutet wohl, dass vor allem in der Wirtschaft prolongiert wird.

Bei Prolongation, denn darauf kam ich als nächstes, was ich erstaunlich fand, denn ich hätte ja auch auf Prolongierung kommen können, steht, dass es dabei um die Verlängerung einer Laufzeit geht. Bei Prolongierung steht, ich solle bei Prolongation nachsehen. Darauf kam ich übrigens, weil ich bei Prolongation, bzw. eigentlich schon bei prolongieren, an Prokrastination denken musste, die ja auch nicht Prokrastinierung heißt. Die Prokrastinierung gibt es im Duden wirklich nicht, nicht einmal der Hinweis, ich solle woanders schauen. Halt, das stimmt nicht, Duden fragt mich, ob ich Bürokratisierung meine. Ich soll also doch woanders schauen.

Die Bürokratisierung wird in der Bedeutungsübersicht nur mit Bürokratisieren/Bürokratisiertwerden erklärt. Synonyme gibt es dafür nicht. Man könnte ja Sesselpupserbehinderung dazu sagen. Dummerweise kann dem Wort nicht entnommen werden, ob die Behinderung durch Sesselpupser ausgelöst wird oder der Sesselpupser eine spezielle Behinderung darstellt. Da muss ich nochmal drüber nachdenken. Ich habe mich jedenfalls entschieden. Ich lege mich jetzt hin, bevor mir hier noch ein Pups rausrutscht in meinem Sessel.

Mittwoch, 13. April 2016

Der Niednagel am erhobenen Zeigefinger der Rechtschreibung

Suchen und finden gehören eindeutig zusammen. Suchen bezeichnet den Prozess, finden das Ergebnis. So einfach, so klar. Diffus wird das Ganze erst, wenn eines von beidem, also entweder der Prozess oder das Ergebnis, in seiner eigentlichen Relevanz herabgesetzt wird. Dies kann aus unterschiedlichen Gründen geschehen.

Goethe schrieb einmal: „Ich ging im Walde/So vor mich hin,/Und nichts zu suchen,/ das war mein Sinn.“ Überschrieben hat er diesen bekannten Anfang seines Gedichts mit dem Titel „Gefunden“. Das lyrische Ich findet ein Blümlein, obwohl ihm der Sinn nach Suche gar nicht stand.

In der heutigen Zeit ist die Suchmaschine ein längst im allgemeinen Sprachgebrauch verankerter Begriff. Eine Findmaschine gibt es nicht. Es gibt aber eine Windmaschine. Eine Windmaschine bezeichnet in der Regel eine unter dem gebräuchlicheren Namen Ventilator anzutreffende mechanisch/elektrisch betriebene Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Luftstroms.

Diese äußerst ungeschickte Einleitung sollte erläutern, wie der hier Schreibende zu seinen Forschungsergebnissen kommt. Mir fiel leider nichts Besseres ein. Trotzdem ist das heute geschilderte Problem ein wirklich drängendes. Es geht heute um den Niednagel und seinen Artverwandten den Nietnagel.

Schon in der Schreibung und der sonst sofort ins Auge springenden roten, gezackten Linie unter jedem falsch geschriebenen Wort in meinem hier nicht namentlich erwähnten Textprogramm, könnte vermutet werden, dass es sich um ein und denselben Gegenstand handelt, einmal richtig und einmal falsch geschrieben. Eine Suche im Internet mit beiden Schreibungen bestätigt diesen Verdacht, erläutert dem Sucher aber nicht, warum das hier namentlich nicht erwähnte Textprogramm den Fehler in der Schreibweise nicht anzeigt. Sogar die hierfür nicht namentlich erwähnte Suchmaschine, die zu Rate gezogen wurde, fragt mich bei Eingabe der falschen Schreibweise nicht, ob ich nicht eher den Begriff mit der richtigen Schreibweise gemeint haben könnte.

Es gibt sie nämlich, die richtige Schreibweise. Niednagel schreibt sich mit d und nicht t. So steht es im Duden, so ist es Gesetz. Wo kämen wir denn hin, wenn es sich bei der Rechtschreibung nur noch um eine statistische Größe handeln würde, deren Mittelwert als Richtlinie, oder wie in diesem speziellen Fall, deren unterschiedliche Schreibungen keinen Alarm mehr auslösten, wie bei der namentlich nicht genannten Suchmaschine und dem ebenfalls inkognito auftretenden Textprogramm tatsächlich passiert.

Wussten Sie übrigens, dass der Niednagel von Neid kommt und seine Ursache im neidvollen Blick eines anderen auf den Niednageltragenden hat? Das ist ja auch ein wirklich seltsamer Umstand, denn nicht derjenige wird bestraft, der neidisch blickt, sondern derjenige, der dem Neid ausgesetzt ist. Und das, wo doch der Neid (Invidia) als Todsünde gilt. Da erfährt der Neider vorerst Straffreiheit und der Leidtragende auf Erden ist der neidvoll Angeblickte.

Tja, das war wieder viel Wind um nichts oder, um im Bild zu bleiben, der vielzitierte Sturm im Wasserglas. Ganz ohne Ventilator. Dafür mit Goethe.

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