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Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

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Bürokratie ist alles, Studieren nichts

Ich war natürlich wieder auf dem letzten Drücker da. Das Prüfungsamt hatte gerade noch so geöffnet und ich stand mit ein paar anderen Studenten erstmal vor der Tür, bis mir aufging, dass die beiden einfach nicht wussten, dass die Tür offen ist und sie einfach eintreten dürfen. Es war ja schließlich gerade noch so Sprechzeit.

Heute endet der Zeitraum, um sich für mögliche Prüfungen anzumelden, ein von mir gern vernachlässigtes Datum. Ich nehme mir jedes Semester vor, sofort zu Beginn hinzugehen und am Ende laufen mir immer heißkalte Schauer über das Gemüt, weil ich jeden Tag daran erinnert werde und ich immer noch nicht da war. Ständig laufen einem Studenten über den Weg, die die Prüfungsanmeldung gerade vorhaben, wo es gerade erledigt ist oder wo einfach noch drüber geredet werden muss.

Ich ging also in den Raum mit meinen drei am Computer ausgefüllten Vordrucken. Alles in Schönschrift, gut lesbar und sogar eine maschinelle Verarbeitung wäre möglich. Aber da sitzt meine Lieblingssachbearbeiterin, kein Computer. Sie strahlt mich an, nimmt mir meine Zettel ab und klärt mich kurz auf über das Procedere. Wann ich ersehen kann, dass ich angemeldet bin, dass ich nicht heute Abend sofort unter meinen Zugangsdaten nachschauen kann, weil die Bearbeitung etwas dauert.

„Aber als alter Hase wissen Sie das natürlich, Herr Leisetöne. Da brauche ich Ihnen ja nichts vorzumachen“, generös zwinkert sie mir dabei zu und ich fühle mich einfach gut aufgehoben. Ich fühle mich immer gut aufgehoben bei ihr. Sie hat mit mir schon gemauschelt und getrickst, hier mal ein Modul angepasst und mir dort noch einen Tipp gegeben. Ich verdanke ihr viel. Dass sie mich erkannt hat, finde ich natürlich auch gut.

Einmal, vor ein paar Jahren, ich war gerade dabei meine Punkte zusammenzukratzen, um meine Bachelorarbeit anzumelden, da saß ich bei ihr und sie sagte mir in vertraulichem Ton: „Herr Leisetöne, jetzt mal ganz unter uns. Das Studium ist doch ein Klacks, das kann doch jeder. Aber die bürokratischen Hürden zu meistern, zu wissen, welche Scheine, wo benötigt werden, an welches Amt man sich wann meldet, das ist die eigentliche Weihe des erfolgreichen Studienabschlusses. Damit haben Sie endgültig bewiesen, dass Sie in unserem Verwaltungsapparat zu funktionieren wissen.“

Recht hatte Sie. Nichts ist schwerer als aus dem ganzen Papierkram schlau zu werden. Ich habe schon mehr als 3 verschiedene Prüfungsordnungen erlebt, und das in nur einem Fach! Ich schulde ihr auf jeden Fall etwas und ich schwöre, wenn ich fertig bin mit dem Studium, dann stelle ich dem Prüfungsamt eine Kiste Prosecco vor die Tür, anonym natürlich, sonst heißt es noch, ich hätte die Sachbearbeiterinnen bestochen.

Mit einem beschwingten Gefühl verabschiede ich mich von ihr, nachdem wir noch ein wenig geplaudert hatten und sie wollte gerade zur Erwiderung ansetzen, da schaute sie doch tatsächlich auf meinen Zettel und liest meinen Namen ab: „Tschüß Herr… Leisetöne, und viel Erfolg in den Prüfungen!“

Sie hatte mich gar nicht erkannt! Ihr erfahrener Blick, vergleichbar in etwa mit dem eines Fahrkartenkontrolleurs hatte sie lediglich dazu befähigt, schnell zu reagieren. An meiner Matrikelnummer, die mit einer 2 beginnt, hatte sie erkannt, dass ich schon geraume Zeit studiere – mittlerweile sind wir bei 4 als Anfangsziffer. Und mein Name steht ja ebenfalls auf dem Blatt, in Druckschrift, gut lesbar. Was hatte ich mir nur wieder eingebildet? Da gibt es tausende von Studenten und ausgerechnet mich erkannte sie wieder. Ich bin schon manchmal ein bisschen blöd.

Trotzdem. Ohne sie wäre ich vielleicht schon nicht mehr an der Uni, würde wieder Küchen verkaufen, zu Mondpreisen, die ich dann generös runterrechne – und mit dem geübten Blick eines Fahrkartenkontrolleurs würde ich sofort erkennen, ob sich das Geschäft lohnt oder ob ich lieber den Kunden dort hinten ansprechen sollte.
iGing (Gast) - 28. Nov, 20:38

Da sind Sie nun nicht der Erste, von dem ich diesen Zettelkampf mitbekomme, noch dazu Horrorgeschichten über unfähige Verwaltungen, die keine Auskunft geben können über Prüfungsbedingungen und zu erbringende Vorausleistungen ... Mannomann, was haben wir bloß damals falsch - oder richtig? - gemacht ... zwei Scheine hier und zwei da und damit waren die Prüfungsvoraussetzungen gegeben und nachdem ich am einen Tag beschlossen hatte, nun endgültig dieses Studium zu schmeißen, ging ich am nächsten Tag und meldete mich zur Prüfung an ... Alles völlig komplikationslos, wie man sieht, und nicht so ein ewiges Heckmeck ...

Shhhhh - 29. Nov, 10:19

Das waren noch Zeiten...

Ham' wa aber nicht mehr. Jetzt heißt es, Zettel ausfüllen, zum Prof gehen, unterschreiben lassen, ins Prüfungsamt gehen, Zettel abgeben, huch, das falsche Modul, wieder zurück zum Prof, neuer Zettel, wieder zurück, Nee, das geht immer noch nicht, wieder zurück zum Prof, nochmal neuer Zettel, ja, so geht's. Alles schon erlebt.
Trithemius - 29. Nov, 11:27

Die Dekonstruktion schöner Vostellungen ...

... durch zu genaues Beobachten und negatives Interpretieren - Da du der Dame viel verdankst, wäre es doch schöner, du hättest dir deine Illusionen nicht zerstört. Es ist nicht mal gesagt, dass sie sich nicht mehr an dich erinnerte. Vielleicht musste sie sich nur vergewissern, als sie deinen Namen ablas. Dich mit Namen anzusprechen, wäre gar nicht nötig gewesen, wenn sie dich wie Student Einhundertausend und eins hätte behandeln wollen. Unabhängig davon kann ich mich Frau iGing nur anschließen. Bei soviel Verwaltungsgedöns hätte ich die Lust am Studium verloren. Mit Formblättern kann man mich noch heute jagen. Ich habe Angst vor ihnen.

Shhhhh - 29. Nov, 14:45

So völlig meiner Illusionen beraubt bin ich gar nicht, schließlich hat sie schon mehr als einmal Professionalität bewiesen, die ich nicht unbedingt erwartet hätte.
Formblätter sind ja vor allem Ausdruck von Strukturen und Verhältnissen und als Ausfüller derselben kann man sich nur allzu oft vergegenwärtigen, welche Position man selbst einnimmt und welche Rolle diese Position spielt, und die ist leider meist nur marginal.
iGing (Gast) - 30. Nov, 15:44

Da hat doch der Herr Trithemius - offensichtlich wohlwollenderweise (oder, sei's drum: wohlwollender Weise) - den selbstironischen Schlenker in meinem Posting überlesen, der besagt, dass das Studium schmeißen zu wollen gar nicht auf bürokratische Repressalien zurückzuführen sein muss, sondern sehr wohl auch zu noch etwas unbürokratischeren Zeiten in den Köpfen umging, wenn der Examenstermin sich näherte! Diesen kleinen, aber feinen Unterschied bitte ich doch zwecks ehrlicher Selbsteinschätzung zu bedenken!
Bubi40 - 29. Nov, 15:21

"Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen." - Kurt Tucholsky

was wäre die welt ohne formblätter, ohne sekretärinnen und ohne büros und amtsschalter ???
es wäre fade und langweilig, und es gäbe wesentlich weniger möglichkeiten, sich kräftig zu ärgern ...

Shhhhh - 29. Nov, 19:12

Hach, der gute, alte Kurt.
Auf das Ärgern könnte ich häufig verzichten, vielleicht muss ich dafür erst noch ein wenig älter werden, um dem Ärger noch etwas Positives abgewinnen zu können;)

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