Willkommen

Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

Kontakt

shhhhtwoday(at)googlemail.com

Aktuelle Beiträge

Wir waren keine Windelinfluenzer,...
Wir waren keine Windelinfluenzer, haben aber an diversen...
Shhhhh - 12. Dez, 08:51
Schon eine Chance verpasst...
Schon eine Chance verpasst – Sie hätten Windelinfluenzer...
C. Araxe - 11. Dez, 22:50
Eine gute Wahl!
Eine gute Wahl!
Lo - 4. Dez, 22:09
Ich habe eine Zehnerkarte...
Ich habe eine Zehnerkarte beim Getränkehandel, beim...
Shhhhh - 1. Dez, 23:39
Das stimmt, aber die...
Das stimmt, aber die Enkel wird man auch wieder los,...
Shhhhh - 1. Dez, 23:35

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Freitag, 9. August 2013

Regenwurm auf Display

Ich bin so ziemlich der inkonsequenteste Paketzustellerhasser, den ich kenne. Ich habe doch tatsächlich schon wieder geöffnet, erst unten die Haustür und dann oben an der Wohnungstür. Die Pakete stapeln sich bei uns bereits, weil meine Frau einer ähnlichen Neigung verfallen ist und anstatt sich nur darüber aufzuregen ebenfalls ständig Tür und Tor für Mist aller Art aufhält. Die Nachbarn sonnen sich derweil auf Balkonien, sind vielleicht zu ihren Eltern aufs Land gefahren oder liegen verkatert in ihren Betten, weil gestern irgendeine Sause stattfand.

Heute kam ein so kleines Paket, wie ich es noch nie gesehen habe. Es war so klein, dass es problemlos in den Schlitz jedes Briefkastens hineingepasst hätte, einschließlich einem von dem Format einer Rolle für Tageszeitungen. Das Paket war so winzig, dass kaum genug Platz darauf war, um Absender und Empfänger vernünftig voneinander zu unterscheiden, weil sie quasi wie ein Doppelname an der Tür direkt nebeneinander standen. In dem Paket hat eine Zigarettenschachtel Platz, eine Fernbedienung für die Standheizung des unten geparkten Autos oder ein orangefarbenes Reclambuch von Wolfram von Eschenbach mit dem Titel „Parzival 1“.

Der Sadist von Paketzusteller hat es trotzdem nicht für nötig befunden, uns zu verschonen. Er gibt in meinem Beisein meinen Namen, den er zuvor vom Klingelschild abgelesen hatte, falsch in sein Gerät ein, fragt dann noch einmal nach und berichtigt nicht. Er hält mir das Ding vor die Nase und lässt mir gerade genug Zeit, um einen Strich von der Länge eines Regenwurms auf dem Display zu hinterlassen und tut dann so, als hätte er es eilig. Mich mit dieser Lappalie erst überhaupt nicht zu belästigen, kam ihm natürlich nicht in den Sinn.

Gestern übrigens bin ich durch das Zooviertel gefahren und habe dort einen Briefkasten der Deutschen Post entdeckt, der gar nicht für Briefe ist, sondern für Pakete. Und weil das scheinbar so kompliziert ist, stand darauf, dies sei ein Briefkasten nur eben nicht für Briefe, sondern für Pakete. Und weil das so kompliziert ist, wo es doch einfach sein könnte, gehe ich zur Tür und nehme Pakete von der Größe eine Zigarettenschachtel an, die in jeden Briefkasten passen. Ich bin so blöd wie ein Paketkasten, der Briefkasten heißt aber eigentlich für Pakete ist, was extra draufgeschrieben steht, damit niemand einen Brief einwirft, in den Briefkasten für Pakete.

Donnerstag, 8. August 2013

Hannibal trank keinen Kaffee

Das Herz einer guten Mensa ist nicht der Speisesaal, sondern die Cafeteria. Dort trifft man sich im Anschluss und genießt die verbleibende freie Zeit der Mittagspause. Hier beginnt die Verdauung, unterstützt vom Lebenssaft einer ganz besonderen zivilisatorischen Errungenschaft, dem Kaffee, latte macchiato oder Espresso. Nimmt man einer Mensa diesen Ort, so ist sie ihres wichtigsten Bestandteils beraubt.

In unserer Mensa hat die Cafeteria seit geraumer Zeit geschlossen. In naher Zukunft soll natürlich Ersatz geschaffen werden, ein wenig kleiner aber immerhin. Bis dahin stehen uns etliche nah gelegene Alternativen zur Verfügung. Aber seien wir mal ehrlich, mehr als eine Alternative ist keine, denn daraus ergibt sich das Dilemma der Wahl. Ähnlich wie nach einer beendeten Beziehung, wenn man sich anhören darf, dass andere Mütter ja auch schöne Töchter hätten, geht es uns, wenn wir dann vor der Mensa stehen und wir den Kaffee brauchen. So einfach ist das alles nicht. Dann stehen wir, übrigens nicht zum ersten Mal, vor der Mensa und fragen uns, wohin. Und dann fallen solche Sätze wie: „Manchmal frage ich mich ehrlich, wie es Hannibal damals mit seinen Elefanten über die Alpen geschafft hat. Wir stehen hier rum und kriegen es nicht mal zustande, uns für eine Cafeteria zu entscheiden.“

Wir entscheiden uns dann doch noch für die Cafeteria im Welfenschloss, ein Gehweg von 5 Minuten. Es ist 14:06 Uhr, als wir die Cafeteria erreichen, die Cafeteria schließt um 14:00 Uhr.

Dienstag, 6. August 2013

Der arme Jan

Der Jan hat es nicht leicht. Jane (Pluralform!, nicht der weibliche Vorname ist gemeint) haben es nie leicht, vor allem nicht leichter als andere Vornamen, wenn sie aber vom eigentlichen Vornamen zum Kopf einer ganzen Reihe von Zusammensetzungen werden, dann hat es ein Jan eben besonders schwer, schwerer als zum Beispiel ein Knut oder Holger. Verfolgte man den Strang in gendertypischer Manier, so müsste man dem Pärchen Jan und Liese besondere Beachtung schenken, denn auch die Liese hat es nicht leicht. Wollen wir aber nicht, wir bleiben bei Jan.

Der Jan wird nämlich zu Unrecht verunglimpft. Der kann da gar nichts für. Schuld an der Misere des Jan ist der Duden. Der hat nämlich bestimmt, dass die Zusammensetzungen mit Jan zwei unterschiedlichen Deutungen unterliegen könnten. Da ist auf der einen Seite der Schlendrian, wir kennen ihn alle, er bezeichnet häufig träge oder nachlässige Verfahrensweise und seltener auch schon einmal eine Person, die so verfährt. Selten ist der Schlendrian als Personenbezeichnung vor allem deshalb, weil wir einen nachlässigen und trägen Menschen eher als Schludrian bezeichnen. Beide Bezeichnungen sind sich in ihrer Beschaffenheit so ähnlich, dass kaum Zweifel über den gleichen Ursprung herrschen dürften. Zöge man den Grobian und den Dummerjan mit ins Kalkül und wäre sich der vergangenen und heutigen Schreibweisen bewusst, fiele dem Dümmsten aller Dummerjane auf, dass es sich hierbei doch um Dinge handeln müsste, die sich irgendwie ähnlich verhalten, ähnlich gebildet und ähnlich abgeleitet sein müssen.

Nicht so der Duden. Der beharrt darauf, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Die Erste ist eine bildungssprachliche und sozusagen von oben herab betrachte Lösung. Denn im Lateinischen bezeichnet die Endung –ian eine Person, eine männliche. Diese Lösung ist deshalb von „oben herab“, weil das gemeine Volk des Lateinischen natürlich nicht mächtig war, als dieser Begriff aufkam (17. Jh.) und somit die Bezeichnung des Schludrian von gebildeteren Leuten ausgehen musste. Dafür spricht im Übrigen ein anderes Phänomen, dem ich mich früher einmal gewidmet habe, die Lappalie. Auch hier wurde einem deutschen Wort, dem Lappen, eine lateinische Endung verpasst, um daraus ein neues Wort zu bilden. Hier waren laut Duden Studenten am Werk, die vor allem dem Kanzleideutsch, das so schöne Worte wie Personalie geboren hatte, eins auszuwischen versuchten, und was eignet sich da nicht besser als ein latinisierter Lappen.

Die zweite Lösung kommt da schon wolkiger daher. Sie geht davon aus, dass sich der Jan auf eine frühnhd. Bildung zurückführen lässt, wo dem jān die Bedeutung eines „Arbeitsganges“ als Grundwort zukommt. Wolkig ist das insbesondere deshalb, weil sich der Duden hier eines wohlplatzierten „Vielleichts“ bedient und wäre es möglich, dies nachzuverfolgen, müsste es natürlich noch andere Wörter geben, die sich entweder so ableiten ließen oder das Grundwort in anderer Form beinhalten. Es gibt im Duden aber kein einziges Wort, das den Grundwortbestandteil jān entweder an den Anfang stellt oder eben an das Ende, als die bereits Genannten, die allesamt negativ konnotiert sind. Das ließe den Schluss zu, dass in der Epoche des Frühneuhochdeutschen entweder schlecht oder gar nicht gearbeitet wurde oder die Arbeit so unwichtig war, dass sich Begriffe mit dieser Bildung nicht in das Neuhochdeutsche übertragen haben. Leider ist das auf den Jan bezogen wieder kein gutes Zeugnis.

Das einzig Gute am Namen Jan ist dessen eigentliche Herkunft. Jan ist nämlich die Kurzform von Johannes und der geht ja bekanntlich auf den hebräischen Jochanan zurück, was so viel heißt wie „Gott ist gnädig“, „Gott hat Gnade erwiesen“. Übrigens geht die Liese, aus der sich so unschöne Dinge wie Trödelliese oder dumme Liese ableiten lassen, auf Elizabeth zurück, welche die Mutter von Johannes dem Täufer war und auf das hebräische Elischeva zurückgeht, was ungefähr bedeutet „Gott schwört“, „Gott des Schwures“. Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erfreut sich der Name Jan einer ungebrochen hohen Beliebtheit, seit den 70ern des vorigen Jahrhunderts gehört er entweder allein oder als Teil eines Doppelnamens zu den 20 beliebtesten Vornamen in Deutschland. Beim Doppelnamen ist noch zu erwähnen, dass Jan eher am Anfang der Namenskette steht und seltener am Ende. Dieser nicht unerhebliche Hinweis auf die ansonsten eher verunglimpfende Art, sich des Namens Jan zu bedienen, erscheint natürlich jetzt, wo wir wissen, was sich hinter dem Jan so alles verbirgt, viel klarer. Sollten Sie deshalb je einem Jan begegnen, sollten Sie womöglich selbst einer sein, lassen Sie Nachsicht walten und denken Sie immer an die große Bürde, diesen Namen zu tragen.

Sonntag, 4. August 2013

Die dunkle Seite im Schach

Ich spiele Schach, im Internet. Ich spiele da nur so vor mich hin. Einen meiner Spielpartner kenne ich sogar persönlich, ich kenne sogar noch mehr, aber mit denen spiele ich gerade nicht. Diesen einen Spielpartner kenne ich sogar so persönlich, wie es persönlicher gar nicht mehr geht. Ich habe bei einem Besuch seine Stehlampe zerstört und mitten in der Nacht den Staubsauger ausgelöst. Wir haben zuvor in diversen Kneipen herumgepöbelt, die Zeche geprellt und weil meine Frau nicht wusste, wo ich überhaupt war, hat sie die Polizei informiert und eine Suche einleiten lassen. Ich lag, besoffen, auf dem Sofa meines Schachfreundes, das Schachbrett erst unter dem Kopf und später davor.

So war das damals. Am nächsten Morgen hat mich seine Freundin zum Bahnhof gefahren und ich kam mir vor wie der Anwalt eines abgehalfterten Sportreporters mit zu viel Grapefruit im Kofferraum. Ich weiß auch nicht, weshalb mich Schach immer so zu Höchstleistungen bringt. Ich bin ein höflicher junger Mann, der manchmal ein wenig vorlaut ist aber im Grunde seines Herzens völlig in Ordnung. Nur beim Schach und den Begleiterscheinungen, da ticke ich nicht mehr richtig. Dann hoppel ich im Rösselsprung von Fettnapf zu Fettnapf, trete Leuten auf die Füße und benehme mich ungehörig.

Deshalb habe ich mein Schachspiel auf das Internet verlegt. Emailschach, mit 7 Tagen Zeit pro Zug, da kann eine Partie schon mal ein halbes Jahr dauern. Ist mir recht, die Entschleunigung tut mir gut. Im realen Leben spiele ich dagegen kein Schach mehr, zu schnell, außerdem gibt es niemanden mehr, mit dem ich das noch machen kann, ich traue mich nicht, habe Angst vor Mr. Hyde, den Ausbrüchen, dem Unflat und meiner Zerstörungswut.

Aber selbst im Internetschach kann ich noch böse sein, nur die Software verhindert da schlimmeres. Ich spiele nämlich gern Schach 960 oder auch Fisher-Schach, nach dem größten Ar…, huch, Anarchisten wollte ich sagen, im Schach: Bobby Fisher ist diese Schachvariante benannt. Da stehen die Figuren hinter den Bauern immer wieder anders, auf nichts kann man sich verlassen, nur dass sie alle da sind.

Ansonsten läuft bei dem Spiel alles wie gehabt, nur bei mir nicht. Ich vollführte gerade eine höchst bedenkliche Rochade, weil mir mein Gegner das Ganze vorgemacht hatte und staunte noch über die entstandene Figurenkonstellation, als sich mein Zeigefinger über der Maustaste auf den Läufer senkte und ihn anklickte. Ich nahm die Maus mit zu seinem Läufer und wollte mit meinem aktivierten Läufer seinen schlagen. Ich war sehr erbost, dass mir das Programm im Hintergrund durch Misstöne und rosa Markierungen verständlich machen wollte, dass ich diesen Zug gar nicht machen dürfte. In meinen Augen war das absolut regelkonform. Mein Läufer stand in direkter Diagonale zu seinem Läufer, ich hatte mich mehrmals darüber versichert. Ich wollte auch diagonal schlagen, ich klickte und klickte es tönte und ich wollte schon eines dieser Tickets schreiben, die man an Admins schreibt, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt oder übergangen, in der Ehre verletzt oder aus Langeweile, weil man die Administratoren in den Büros immer beim Daddeln erwischt oder beim Tickets beantworten von dubiosen Webseiten. Ich war wirklich fast so weit. Und dann merkte ich es endlich: ich war gar nicht am Zug.

Donnerstag, 1. August 2013

Türklingelblues

Ich öffne die Tür nicht, ich betätige den Türsummer nicht, basta. Ich öffne nur dann, wenn das Pack, das mir etwas verkaufen will, es bereits in den Hausflur geschafft hat. Das schaffen regelmäßig nur die Leute vom Wachturm, die haben bestimmt den Schlüssel vom Postboten geklaut, weswegen der jetzt immer klingeln muss und die Wachteln singen mir dafür ihr Lied vom lieben Gott vor, alle paar Wochen.

Wenn ich durch die Milchglasscheibe der Eingangstür die Schatten im Treppenhaus zählen kann und ich davon ausgehe, mit ihnen fertig zu werden, dann gebe ich vielleicht nach und schaue mal, wer da so rumlungert. Die ersten Schatten entpuppten sich als genau ein Schatten, ein Riesenschatten. Ich öffnete. Ein dicker Mann stand vor der Tür mit zwei Paketen, die dringend einen Abnehmer suchten. Ich sollte der Abnehmer sein. „Nehmen Sie Pakete? Für Ihre Nachbarn?“ Ich nahm die Pakete, schaute auf den Adressaten und sah hinüber zur Nachbarwohnung, wo gerade ein Schatten hinter der Tür verschwand. Meine Nachbarin war zu Hause und ich öffnete die Tür für ihr Paket. Ich hielt den Mann zurück und sagte, er könne das Paket gleich drüben abgeben, da sei doch jemand da. Ich ging rüber, klingelte, abgestellt. Ich klopfte. Meine Nachbarin machte die Tür auf und nahm ihr Paket selbst an.

Der Paketdealer hatte inzwischen meinen Nachnamen vom Klingelschild abgetippt und mir dann sein Gerät unter die Nase gehalten. Da stehen zwei Namen dran aber er hatte sich sofort für den richtigen Namen entschieden. Ich zog die linke Braue vor Hochachtung, behielt das zweite Paket und sagte nicht Tschüss. Ich ging wieder rein. Es klingelte erneut in diesem Moment und ich benutzte doch tatsächlich den Summer. Ich stand ja gerade da. Da konnte ich schon mal ganz nett sein. Zumal ich dem Paketmann ja gerade nicht so freundlich gekommen war. Das „Danke Pohost“ konnte ich nicht hören, die Tür war zu.

Es klingelte kurze Zeit später schon wieder. Natürlich, die Nachbarin, deren Paket ich angenommen hatte. Sie ist mir ein wenig suspekt, ihr Gesichtsausdruck sagt mir, dass sie es hasst, wenn ich ihre Pakete annehme. Sie wohnt im Erdgeschoss und ich im dritten Stock. Sie ist schwanger, gehetzt und mürrisch und speist mich mit einem faden Dank ab, den sie ins Treppenhaus jubelt. Sie wandte sich nämlich bereits den Stufen zu beim Reden und ließ mich im Türpfosten das Echo erwarten, es klang nach dringend nötiger Treppenhausreinigung.

Es klingelte schon wieder. Ich ging zur Tür und da stand schon wieder ein Schatten, ein Riesenschatten. Nein, es waren zwei Schatten und sie drifteten gerade auseinander, als wollten sie mir beim Türöffnen eine Rettungsgasse freihalten, für alle Fälle. Schon wieder Nachbarn. So langsam hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Nicht nur, dass es in unserem Haus anscheinend zuging wie in einem Bienenstock, es mussten auch alle bei mir klingeln und irgendetwas abladen, und sei es nur ihre schlechte Laune. Außerdem ist es seit Tagen furchtbar laut, weil die neuen Nachbarn über uns mit Hammer und Meißel bewaffnet durch die Wohnung ziehen und jeden Quadratzentimeter mit Schlägen überziehen, angeblich weil die Dielennägel zum Schleifen zurück ins Holz getrieben werden müssten. Ich vermute ja eher einen Durchbruch zum Nachbarhaus, als Fluchtweg.

Die beiden hatten einen Sechserträger Bier und eine Gummitierkilogrammpackung in den Händen und überreichten diese feierlich an mich. Die Worte, die das Prozedere begleiteten, sollten mich vor noch lauteren Maßnahmen warnen, die uns, die wir ja unter ihnen wohnen, am Wochenende erwarten. Tischler arbeiten nämlich nur am Wochenende schwarz und die Geräte ihrer Arbeitgeber, wie zum Beispiel eine Dielenschleifmaschine kann der Arbeitgeber auch nur am Wochenende entbehren. Ich bin ja für eine 7-Tage Woche für Handwerker, vollbezahlt und im Ausland, dann kommen die Heinis nicht auf die Idee am Wochenende anderer Leute Nachbarn mit Lärm zu malträtieren.

Meine Augen sprachen von einem veganen und alkoholfreien Leben, während ich mir das gelatinegefüllte Gummikilo unter den Arm klemmte und es irgendwie schaffte, den Sechserträger unter dem anderen Arm zu parken. Mein Mund sagte etwas von Mittagsruhe wegen der Kinder. Ob das geht? Sie wüssten es nicht, der strenge Zeitplan und so, der Tischler, der nur am Wochenende kann und überhaupt, wo schlafen die Kinder denn, und könnte man da nicht. Nein, nahm ich sie ins Visier. Naja, eventuell gibt es ja leise Arbeiten ganz weit weg von den schlafenden Kindern in einem anderen Raum, hörte ich mich sprechen. Ich wurde zuerst mit Zucker und Alkohol überrumpelt und dann von mir verraten. Ich brauchte keine Glaskugel, um die Kopfschmerzen zu sehen. Ich kickte die Tür zu, weil die Hände nicht frei waren und gehe für diese Woche nicht mehr zur Tür, basta.

Dienstag, 30. Juli 2013

Nachricht aus der Zukunft

Ich saß gerade im Zug nach Wismar, als ich nach gefühlten 5 Minuten wieder auf mein Handy sah. Ich weiß, dass kaum eine Minute vergangen war, seit meinem Blick auf das Display, aber gefühlt müssen es fünf gewesen sein. Ich schaltete dafür nur ganz kurz die Tastensperre aus, betrachtete die Uhrzeit, löste die Tastensperre erneut aus und steckte das Handy wieder weg.

Und weil ich in dem Moment, wo ich die Uhrzeit sah, vergaß, was ich überhaupt machen wollte, wiederholte ich das Spielchen nach gefühlten 5 Minuten noch einmal, obwohl es eigentlich nur Sekunden waren. Ich habe ein Faible für Zeitanzeigen. Ich kann ständig drauf gucken, weil ich sofort wieder vergesse, was ich gelesen habe. Ich merke mir einfach nicht, was ich von der Zeitanzeige ablese, weil ich ja einfach wieder drauf gucken könnte, wenn es mich wirklich interessiert. Und so gucke ich ständig auf mein Handy, auf Uhren an Apotheken, auf anderer Leute Armbanduhren, auf meine Backofenuhr, auf die Küchenuhr von Kienzle, auf die Küchenwaage, die auch eine Uhr hat und so weiter.

Früher, als ich noch eine Armbanduhr hatte und ein Sklave der geregelten Arbeitszeit, habe ich meine Uhr immer ein paar Minuten vorgestellt, damit ich auch ja nicht zu spät komme. Anfangs waren es drei Minuten, später mehr Minuten und bei mehr als zehn Minuten habe ich dann aufgehört und mir gesagt, das sei alles Quatsch. Ich kam nie zu spät.

Meine Uhr im Handy geht zwei Minuten nach. Das weiß ich mittlerweile aus ziemlich sicherer Quelle: aus der Zukunft. Als ich nämlich in diesem Zug saß und das dritte Mal auf mein Handy schauen wollte, hatte es kurz zuvor gebrummt, wie es immer brummt, wenn ich eine SMS empfange oder mein Akku alle ist. Der Akku war frisch aufgeladen, es musste eine SMS sein. Ich sah auf mein Handy, es war 14:03 Uhr und ich war sehr enttäuscht geworden sein, weil ich einen Anruf verpasst werde haben um 14:05 Uhr, was mir eine SMS mitgeteilt hatte.

Da kriegt man eine Nachricht aus der Zukunft und die besagt, man hätte einen Anruf verpasst, der noch gar nicht stattgefunden hat. So ein Mist.

Sonntag, 28. Juli 2013

Dochs

Dies soll mein erster Wikipedia-Artikel werden. Ich habe mich natürlich streng an die Vorgaben gehalten, nichts nichtiges oder unwichtiges hineinzuschreiben. Deshalb wollte ich auch gleich mit einer ganz großen Sache starten, die ich selbst bislang bei Wikipedia nicht finden konnte: dem Dochs. Als Vorlage zu meinem Artikel bot sich geradezu an, ach, das können Sie sicher selbst herausfinden. Viel Spaß beim Lesen und sollten Sie noch Anmerkungen, Kritik oder Trivia haben - an Trivia bin ich besonders interessiert - so schreiben Sie es unten in das Formular.

Mit Dochs wird in der Alltagssprache ein universelles abstraktes Konzept bezeichnet, das verschiedene Bedeutungsaspekte besitzt. Es kann jedoch darüber gestritten werden, ob diese Bündelung der Aspekte eine gemeinsame linguistische Quelle hat, oder ob es sich dabei zum Teil um Homonyme handelt, die auf fehlerhaften Umgang mit den Regeln der Oberflächengrammatik zurückzuführen wären. Verschiedene Aspekte sind:

• Die Affirmationspartikel „doch“ dient zur sprachlichen Affirmation von Aussagen oder Satzelementen, die vorher bereits negiert worden sind (siehe Konjunktion des Gegensatzes).
• Das Definitpronomen „dochs“ bedeutet „irgend(etwas)“, ein Ding, eine Sache, das Mindeste.
• Die Nominalphrase „das Dochs“ bezieht sich auf das Gegenteil des Nichtseins, die Affirmation und Anwesenheit des Seins, das Sein, eine letzte Bestätigung oder allgemeine Bestimmtheit.
• In der formalen Logik tritt „dochs“ ausschließlich in Gestalt des so genannten affirmierten Existenzquantors auf. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass „dochs“ im Gegensatz zu „das Dochs“ kein Eigenname oder Nominator ist. Daher sind z. B. „Dochs existiert nicht“ (d. i. „Es ist der Fall, dass es nicht existiert“) und „Das Dochs existiert nicht“ keineswegs synonym.
• Das Substantiv „Dochs“ kann zudem bezogen werden auf:

o Etwas Anwesendes, dessen Abwesenheit erwartet wurde (tamen privativum)
o Etwas Wesenhaftes, Bedeutendes, Greifbares
o Etwas, aus dem der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben kommt, der eigentliche „Antrieb“
o Ebenso kann damit eine Person oder Sache als wert, bedeutend, gehaltvoll und bedeutend etikettiert werden.

Das gemeinsame der substantivischen Verwendungen ist, dass eine Bestimmung (z. B. der Wert) irrelevant groß ist oder größer Null beträgt, oder eine Sache, deren Nichtexistenz oder Abwesenheit erwartet wurde, sich als real oder anwesend herausstellt.


In vielen Kulturen wird Weiß mit dem Dochs assoziiert.

Freitag, 26. Juli 2013

Embolia

Ich möchte mich nochmals bei allen bedanken, die sie ich an meiner Suche beteiligt haben und hier so etwas wie eine kleine Zusammenfassung geben.

Die Embolia:

pop – ist im Gegensatz zu fast allen anderen Embolia als bewusst hinzugefügtes Zwischenspiel in Verwendung, siehe „wichtig popichtig“ und alle weiteren Bildungen, die auf diesem Prinzip beruhen. Die Herkunft ist nicht eindeutig belegt, allerdings ist die Liedzeile „Eiapopeia, was raschelt im Stroh“ sehr wahrscheinlich die früheste nachweisbare Wurzel. Bei Grimm findet sich kein Eintrag zu „eiapopeia“, allerdings ist die Interjektion „eia“ mit einem Eintrag versehen. Diese geht wahrscheinlich auf mhd. „aubeia“ zurück, auch „auweia“ würde ich persönlich dazuzählen, was wahrscheinlich nur eine Frage der zweiten Lautverschiebung ist.
Das älteste Digitalisat bei Google datiert bei 1789, der Titel des Buches lautet „Serenina“, einen Hinweis auf einen Verfasser gibt es nicht. Die älteste Überlieferung mit Angabe eines Verfassers datiert auf das Jahr 1796, es ist ein Eintrag zu den Schriften Gottfried August Bürgers, den das Grimmsche Wörterbuch in diesem Zusammenhang ebenfalls nennt.

di – entegegen meiner ursprünglichen Annahme, dass „pop“ das einzige mehrfachbeschlagene Embolia sei, hat sich „di“ in seiner Anwendung sogar als wesentlich produktiver erwiesen. Das klappt aber nur, wenn man die Intention, wie sie von Helge Schneider mit „pop“ realisiert wurde, als lediglich eine Bildung annimmt, obwohl sie mit fast allen Worten gebildet werden könnte.
Zu den di-Zwischenspielen zählen „holterdipolter“, „Schnurrdiburr“, „rumpeldipumpel“, „hoppeldipoppel“, schwuppdiwupp“ und „klipperdiklapper“. Bis auf „Schnurrdiburr“, was mit seinem „Erfinder“ Wilhelm Busch wahrscheinlich einer ähnlichen Intention folgt wie Schneiders „wichtig popichtig“, handelt sich immer um Iterative, Reduplikationen mit einem Grundwort, dem eingeschobenen „di“ bzw. „die“ und dem abschließenden wiederholten Grundwort mit oder ohne Konsonanten- oder Vokalwechsel.

Ein ähnlicher Weg wird beschritten, sobald es sich nicht ausschließlich um ein Wort handelt, sondern eher um Sprichwörter oder geflügelte Worte wie z.B. „Eile mit Weile“, „Knall auf Fall“ oder „Aus die Maus“. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass neben Präpositionen natürlich auch „und“ ein ziemlich produktives Embolium darstellt. Dazu das Beispiel „rumpeldipumpel“: in dem Märchen „Der Wolf und die 7 Geißlein“ heißt es dazu: „Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum, ich meint‘ es wären 6 Geißlein, dabei sind’s lauter Wackerstein.“ Gerade im geflügelten Wort steckt anscheinend noch viel Potential.

Interessant sind auch Bildungen, die entweder fremdsprachige Wurzeln haben und beim Übertrag ins Deutsche verballhornt worden sind, wie z.B. „etepete“ oder „haute volaute“, oder aber diejenigen Bildungen, die selbst Deutschen als Muttersprachlern aus Fremdsprachen bekannt sind wie z.B. „Shoobedooo“.
Dass zwei der bekanntesten Zaubersprüche auf diesem Prinzip beruhen hatte ich völlig übersehen. „Abrakadabra“ ist schon fast 2000 Jahre alt, so lang lässt es sich schriftlich nachweisen. Ebenso wie Simsalabim ist sich die Forschung nicht einig, welchen Ursprungs die beiden Worte sind. Betrachtet man das Gebiet der Zaubersprüche allerdings genauer, so fällt auf, dass es noch andere Zaubersprüche gibt, die mit ähnlichen „Sprachspielereien“ aufwarten. Das „sator arepo tenet opera rotas“ fällt da ziemlich ins Auge, handelt es sich doch einerseits um ein Palindrom und in fünf Zeilen untereinander zu jeweils einem Wort geschrieben ergibt sich ein „magisches Quadrat“. „Hokuspokus“ fällt ebenfalls in die Kategorie, schneidet allerdings auch ein Thema an, das sich in der Literatur als sogenannte Reduplikation wiederfindet.

Reduplikationen:

Dazu gibt es die unterschiedlichsten Bildungen. Einerseits wird wie bei „Hokuspokus“ der Konsonant getauscht, dann handelt es sich um Echowortbildungen. Auch „heckmeck“, “Hottentotten“, „ratzfatz“ und „Picknick“ gehören dazu. Ein ebenfalls sehr prominentes Reduplikationsverfahren scheint die Ablautreduplikation zu sein. Dazu zählen solche Wörter wie „wischiwaschi“, „pillepalle“ und „gschisti-gschasti“. Sehr stark vertreten, sogar aus Fremdsprachen übernommen, sind exakte Reduplikationen wie „winkewinke“, „Bonbon“, „Kleinklein“ usw.

So, bis hierhin bin ich bislang gekommen, für Ergänzungen, Anmerkungen und Kritik bin ich immer zu haben.

Suche

 

Status

Online seit 5547 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Dez, 08:51

Lesen

Credits


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Blogverzeichnis Creative Commons Lizenzvertrag
Shhhhh.

Alles nur Theater
Auf Spatzen geschossen
Auslaufmodell Buch
Den Ball gespielt
Der alltägliche K(r)ampf
Die kleine Form
Gedankeninseln
Geldregierung Arbeitsplatz
Gelegenheitslyrik
HaCK
Herr Fischer
Klassenraum
Links
Mensagespräche
Miniaturen bemalen
Nichts Spezielles
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren