Willkommen

Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

Kontakt

shhhhtwoday(at)googlemail.com

Aktuelle Beiträge

Wir waren keine Windelinfluenzer,...
Wir waren keine Windelinfluenzer, haben aber an diversen...
Shhhhh - 12. Dez, 08:51
Schon eine Chance verpasst...
Schon eine Chance verpasst – Sie hätten Windelinfluenzer...
C. Araxe - 11. Dez, 22:50
Eine gute Wahl!
Eine gute Wahl!
Lo - 4. Dez, 22:09
Ich habe eine Zehnerkarte...
Ich habe eine Zehnerkarte beim Getränkehandel, beim...
Shhhhh - 1. Dez, 23:39
Das stimmt, aber die...
Das stimmt, aber die Enkel wird man auch wieder los,...
Shhhhh - 1. Dez, 23:35

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Freitag, 8. April 2011

Herr Fischer

Herr Fischer heißt mit Vornamen Rainer - oder Reiner. Das weiß ich nicht so genau. Ich sage sowieso immer Herr Fischer zu ihm. Wir duzen uns zwar aber "Herr Fischer" finde ich irgendwie passend.
Früher in der Schule haben wir im Sportunterricht immer "Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser?" gespielt. Der Fischer war natürlich niemand anderes als unser Sportlehrer, der auf der anderen Seite stand und zurückrief: "Das Wasser ist so tief, ihr müsst im Krebsgang rückwärts gehen."
Dann haben sich alle auf den Hintern geworfen - damals ging das noch, ohne befürchten zu müssen, sein Leben ab jetzt dort unten zu verbringen - und sind im Schweinsgalopp, äh Krebsgang rückwärts zur gegenüberliegenden Linie marschiert. Der Herr Fischer, den ich meine, der ruft nichts von der gegenüberliegenden Seite. Dieser Herr Fischer sieht einen nicht einmal. Herr Fischer ist nämlich immer schwer beschäftigt. Am Rumrödeln. Herr Fischer fährt mit dem Fahrrad, dem Roller oder er geht zu Fuß zu Ausstellungen, in Museen oder in eine von seinen 17 Lieblingskneipen. In einer davon haben wir uns kennengelernt. Meine Frau arbeitete dort und Herr Fischer war der kauzigste, um nicht zu sagen anstrengenste Gast, den eine Kneipe nur haben kann. Auf jeden Fall aber ist Herr Fischer der älteste Gast, den ich in dieser Kneipe jemals gesehen habe. In vielen Fällen ist er wahrscheinlich sogar der ältere, wenn am anderen Tisch zwei Gäste säßten und man das Alter der beiden zusammenaddieren würde - oder auch mal drei - vier nicht, denn die dürften gar kein Bier bestellen und für 'ne Kola braucht ja keiner in die Kneipe zu gehen.
Herr Fischer geht also auf die 80 zu, mit kleinen konsequenten Schritten. Außerdem verfügt er über eine gute Portion Humor und ein Gedächtnis, das mir Angst macht. Herr Fischer fragt mich regelmäßig nach meinem Namen aber wenn ich ihn bitte, mir ein Nonsensgedicht vorzutragen, dann fallen ihm auf Anhieb ein paar ein, die er mir ohne zu Stocken von vorne bis hinten vorträgt.
Heute sah ich Herr Fischer auf der gegenüberliegenden Straßenseite sein Fahrrad abschließen. Ich ging rüber und begrüßte ihn herzlich. Ich frage ihn immer wie es ihm so geht. Das findet er doof und verzieht das Gesicht. Er nennt mir dann auch keines seiner Zipperlein, sondern stellt mir lieber eine Gegenfrage. Naja, wir unterhielten uns ein wenig, ich erzählte davon, dass ich Vater geworden sei und Herr Fischer freute sich ein Loch in den Hut. Er war ganz begeistert. Ich sagte ihm, er hieße Fiete. "Wie Fietsche?" "Nee, Fiete", wiederholte ich. "Fiet?" "Nee, F I E T E, das ist die ostfriesische Variante von Friedrich oder Fritz"
"Achso. Ja. Zu Ostfriesland fällt mir nur eins ein:
In Aurich ist es schaurig,
in Leer noch viel mehr.
Und will Gott dich bestrafen,
gehts nach Wilhelmshaven."
Kurz gelacht und dann gings weiter, Herr Fischer hat wenig Zeit, wenn er gerade unterwegs ist.

Donnerstag, 7. April 2011

Semesteranfang

Zum Anfang des Semesters ist alles neu. Selbst Dinge, die seit Jahren immer gleich sind, erscheinen plötzlich in einem neuem Licht - und das liegt nicht an den teilweise renovierten Räumen. Da sind zum Beispiel die neuen und alten Gesichter. Man kennt sich oder auch nicht, grüßt kurz, nimmt wenn möglich in der Nähe eines Fensters Platz und hofft, die Auswahl des Seminars war richtig. Ich gehe meistens zu den gleichen Dozenten. Das Risiko, etwas zu erwischen, was nicht gefällt, wird geringer und die Chance bekannte Gesichter zu treffen erhöht sich dazu proportional. Schade ist, dass die Geschmäcker nicht so unterschiedlich sind, wie ich mir das manchmal wünschen würde. Auf der anderen Seite wird die Qualität in der Lehre für einen Studenten nicht an den Veröffentlichungen des Dozenten gemessen - ich kenne von den wenigsten Dozenten mehr als zwei Veröffentlichung, die nicht im Rahmen eines Seminars behandelt wurden - sondern an dessen Fähigkeit, dies zu vermitteln. Ein brillianter Kopf taugt nicht unbedingt zum Professor, wird aber nicht selten dazu gemacht. Die guten Wissensvermittler, die Fessler, die Flaneure, die Alleskönner bleiben ein überschaubarer Haufen, in deren Seminaren sich jeder tummelt, der nicht nur auf der Jagd nach einem Leistungspunkt ist, sondern auch ein wenig Wissen vermittelt bekommen, gefesselt werden oder auf Streifzug gehen möchte.
Fest steht, ich gehe auf die Jagd nach der Ästhetik des Schrecklichen, werde mich mit der Frage auseinandersetzen, wer oder was ein Autor ist und ich werde mir ein paar literarische Psychopathographien zu Gemüte führen.

Dienstag, 5. April 2011

Fiete

Ja, das ist er, meine Altersvorsorge. Hier war er gerade einmal einen Tag alt und begann schon auszuloten, was die Umgebung für ihn bereithielt. Das gefiel ihm irgendwie nicht so gut, die Augen blieben nicht lange offen.

Montag, 4. April 2011

Schlaflos

Das bin ich derzeit. Sprachlos bin ich nicht, auch wenn dazu gerade nicht viel Zeit bleibt.
Die hauptsächlichen Besucher sind abgefrühstückt und mit ersten Eindrücken und Fotos versorgt. Fiete ist aber auch besonders herzig. Zeigte sich bei Besuch immer von der besten Seite und sobald dieser weg war, wurde Ernst gemacht. Die Waschmaschine ist mein neuer Freund. Nicht nur, dass sie die bekleckerten, beschmierten und sonstwie verunreinigten Kleidungsstücke reinigt. Sie sorgt auch für knapp 2 Stunden Entspannung, wenn Fiete im Nachbarraum schläft. Ab morgen wird das Wäschewaschen auf nachts verlagert.

Mittwoch, 30. März 2011

Ruhe vor dem Sturm?

Die Tage werden wieder länger. Mein Tag ist ein Kriechtier. Nicht wirklich erholsam geschlafen, gegen halb 4 aufgestanden und eine Tasche mit Sachen bepackt und dann doch wieder hingelegt. Meiner Frau gehts nicht so gut und ich lag daneben.
Jetzt sitze ich in einem Büro und klimper auf der Tastatur herum. Keine Arbeit weit und breit, die sitzt ein Fenster hinter diesem hier und verhält sich still wie ein Mäuschen. Die Sonne rutscht so langsam an der Fassade herunter. In den kommenden Stunden wird sie das Fenster fluten. Jalousien, solche, wie sie immer in Zahnarztpraxen hängen, die sich vertikal verschieben lassen anstatt horizontal, bewegen sich zur Mitte der Fensterfront und sperren das Licht aus. Ich habe Zahnschmerzen. Zahnfleischschmerzen.

Dienstag, 29. März 2011

Scheerbart III

So richtig bin ich nicht draus schlau geworden, aus dem Gelesenen. Das Buch ist durch, keine Geschichten mehr. Stilistisch siedelt das ganze irgendwo zwischen Nonsens-Gedicht und Schelmenroman. Der Zusammenhang ist bis auf die letzten zwei Novelletten in keiner Einzelgeschichte gegeben. Natürlich gibt es wiederkehrende Schemata und auffällig oft Wiederholungen in Redewendungen und Aussagen aber dadurch entsteht keine echte Chronologie. In den letzten beiden Novelletten treten zumindest ähnliche Wesen auf und sie spielen wie eher wenige Geschichten auf der Erde.
Die Protagonisten, also die Außerirdischen - in diesem Erklärungsversuch klingt das Wort wie ein Fremdkörper - sind Wesen von komischer Gestalt. Lange Arme, Kopftrichter - überhaupt sind Gliedmaßen und andere Organe eher Tand, denn einem echten Zweck unterworfen. Genauso verhält es sich mit den Aufgaben, die diese Wesen den ganzen Tag so verrichten. Keine davon ist nützlich, meistens dient sie nur dem besseren Verständnis von Unverständlichem. Überhaupt spielt das Unverständliche eine sehr große Rolle. Alles wird negiert oder relativiert. Weder die Naturgesetze auf den einzelnen Welten noch die dort lebenden Wesen sind in irgend einer Weise an unsere Naturgesetze gebunden. Dafür verfolgen aber fast alle Lebewesen inklusive der Sterne, auf denen sie wohnen, irgendwelche Zwecke aus und egal, was es ist - ist das Ziel erreicht, ist es viel besser als vorher. Dabei wird nicht selten der Zusammenhang aus anfänglichen Sorgen der Bewohner und dem endgültigen Entwicklungsstand vermisst. Was vorher blöd war, ist jetzt einfach nicht mehr wichtig, genannt zu werden.
Wo ich jetzt darüber schreibe, fallen mir ständig neue Sachen ein, die mindestens merkwürdig meistens eher völlig abstrus sind. Ob das das richtige Thema für eine Hausarbeit ist, ich weiß nicht.

Montag, 28. März 2011

100 und einen Tag

So lang bin ich jetzt schon hier und belege einen Teil des scheinbar endlosen Speicherplatzes im Netz mit meinem Blog. Für die vielen Kommentare möchte ich mich einmal bedanken. Ich wünsche allen genügend Zeit und Lust, sich weiterhin hier hier blicken zu lassen und hin und wieder auf sich aufmerksam zu machen. Als Gern- und Vielleser komme ich mittlerweile ganz schön rum im Bloggerdorf und hoffe meine Kommentare sind dort genauso willkommen, wie sie es hier bei mir wären.

Sonntag, 27. März 2011

Scheerbart II

Bisher hatte ich mich nur wenig verstrickt. Mittlerweile bin ich jedoch so in der Materie gefangen, dass ich kaum aufhören möchte. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich von der Sekundärliteratur zur Quelle übergewechselt bin. Ich kann gar nicht so genau beschreiben, was Scheerbart mit seinen Astralen Novelletten alles ausdrücken wollte. Alles als Quatsch abzutun erscheint mir zu einfach aber umso intensiver ich mich mit einzelnen Geschichten oder Charakteren auseinandersetze, desto schwieriger wird es, einen Sinn zu erschließen.
"Also sprach der Herr Professor Kienbein zu mir..." das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Zombies in Linden

Durch Zufall stieß meine Frau gestern auf diese merkwürdige Veranstaltung im Veranstaltungskalender der MagaScene. Ich kannte zumindest den Titel schon und nach ein wenig Überlegen fiel mir auch ein woher. Da renne ich mindestens zweimal am Tag vorbei, wenn ich das Haus verlasse. Das Plakat dazu befindet sich nämlich an der Tür von einem kleinen Laden in einer Nachbarstrasse und versperrt die Sicht auf das Innere des Ladens. Das Schaufenster ist abgedunkelt. Für mich eine Ungeheuerlichkeit, kann ich doch nicht sehen, was sich dort drinnen abspielt.
Seit gestern Abend weiß ich es. Dort haben ein paar findige Leute ein Hörspiel kreiert und vermarkten dies mit Lesungen rund um Hannover-Linden. Alle drei Vorleser kommen mit einer grundsoliden Schnoddrigkeit daher und reihen sich somit nahtlos in ein ebensolches Publikum ein. Ich habe sie nicht erkannt. Andere sind dabei - vielleicht Hardcore-Fans - die sind geschminkt und laufen mit bluttriefenden Augen und Mäulern durch den Laden. Als mich so einer am Eingang begrüßt, dachte ich zuerst, der gehört hier gar nicht her. Aber die gehören alle hier her. Eine gesunde Mischung aus alltäglichem Wahnsinn und vorabendlicher Feierstimmung.
Die Lesung beginnt. Ein paar leichte Regeln: 1. Wer sich im Text verheddert, muss einen Kümmerling trinken, das Publikum ist Jury. 2. Wenn ein bestimmter Jingle eingespielt wird, gibt es was zu gewinnen. Da muss man schnell sein und die Frage beantworten, die von einem blutunterlaufen Einpeitscher per Mikro in den Saal gebrüllt wird. 3. Achso, und Ruhe sollte herrschen, ein gewagtes Unterfangen.
Es klappt alles wie am Schnürchen. Die drei Vorleser sind geübte Leser und anfangs denke ich noch, die gehen hier ganz nüchtern raus ( die paar Astras auf dem Tresen reichen ja kaum zur Kehlenbefeuchtung ). Doch dann geht es allmählich los. Erst ein Kümmerling, dann ein zweiter, ein dritter usw. Die Lesung entwickelt sich zum Härtetest für die Lach- und Schluckmuskeln. Jedes Wort, das sich einer etwas eigenwilligen Aussprache erfreut, wird abgeklopft und auf Lesefehler hin untersucht. Der "Daktar" zum Beispiel, der sich nach mehrmaligem Wiederholen als schrullige Aussprache einer alten Dame entpuppt und somit nicht zählt. Dafür zählt aber "wiedergegäben", denn wie einer der drei Vorleser richtig feststellte, sind Partizipialkonstruktionen nicht mit dem Konjunktiv zu kreuzen. Ein Dauerwitz waren auch die Rolladen ( so standen sie im Text und wurden deshalb falsch betont vorgelesen - das kostete einen Kümmerling ) bei denen es weniger um Rolladen, sondern vielmehr um Rollläden ging.
Der ganze Abend war eine krude Mischung aus Horror-Hörspiel und Trinkgelage und bis auf meine Frau, die nichts trinken darf, gab es wohl niemanden in dem Laden, der nüchtern war. Nach mehr als 2 Stunden war der Spuk vorbei. Für 3 Euro Eintritt ein absolut gelungener Abend. Die nächte Veranstlatung werde ich wohl auch besuchen, findet sie wie die gestrige doch keine 200 Meter von zu Hause entfernt statt. Ein Argument, das nicht zu vernachlässigen ist, wenn man mittlerweile weiß, worum es geht. Es geht um Zombies in Linden und die sind nicht gut zu Fuß.

Suche

 

Status

Online seit 5571 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Dez, 08:51

Lesen

Credits


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Blogverzeichnis Creative Commons Lizenzvertrag
Shhhhh.

Alles nur Theater
Auf Spatzen geschossen
Auslaufmodell Buch
Den Ball gespielt
Der alltägliche K(r)ampf
Die kleine Form
Gedankeninseln
Geldregierung Arbeitsplatz
Gelegenheitslyrik
HaCK
Herr Fischer
Klassenraum
Links
Mensagespräche
Miniaturen bemalen
Nichts Spezielles
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren