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Bei den Leisen Tönen. Manchmal braucht es einen Blog, um sich Luft zum Denken zu verschaffen. Keine Steckenpferde, Hobbies oder sonstiges Spezielles, nur Luft zum Denken.

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Nirgendwo bellte ein Hund

Gestern saßen Trithemius und ich bei einem oder zwei Bieren zusammen. Wir sprachen gerade über Kitsch im Roman. Die Unterhaltung verlief schleppend, weil ich mich ein wenig schlapp fühlte. Ich sprach darüber mit Trithemius und er empfahl mir eine Pause. Seine Devise sei, Sitzen, Aufstehen, Gehen und wieder Sitzen. Ohne Pause komme niemand vorwärts. Aha, dachte ich, und beschloss, eine Pause zu machen. Ich wusste nur noch nicht wovon, ich saß ja schon.

Irgendwo bellte ein Hund, rief Trithemius plötzlich und sprang mit einem Satz, den nur ein ausgeruhter Schäferhund unternehmen kann, von seinem Sofa. Er ging ein paar Schritte, genaugenommen bis zu seinem Bürostuhl, und setzte sich vor den leuchtenden Monitor. Aha, dachte ich schon wieder und fasste keinen Entschluss. Er tippte ein paar Zeilen auf der Tastatur und rief mich dazu. Ich solle mir das einmal ansehen.

„Irgendwo bellte kein Hund“, titelte es auf der Archivseite der Titanic. Es ging um spezielle Formulierungen, die für bestimmte Stimmungen stehen, die ausgerechnet und immer wieder mit der gleichen Phrase untermalt werden. Diese Phrase lautet: „…irgendwo bellte ein Hund.“ Ich schaute ihm über die Schulter und er googelte noch ein paar lustige Ergänzungen. Da gab es zum Beispiel einen Typ im Netz, der in mehreren Literaturforen immer den gleichen Thread aufmachte, in dem es um genau diese Formulierung ging. Ich vermutete deshalb, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt, weil sowohl der Wortlaut als auch der Nickname der Person haargenau der Gleiche ist.

Eine kurze Recherche über das Alter des Artikels in der Titanic und das Alter der jeweiligen Foreneinträge ergab, dass der Artikel in der Titanic definitiv eher erschienen ist. Autor des Einen muss demnach nicht unbedingt Autor des Anderen gewesen sein, jedoch ist stark davon auszugehen, dass der Autor der Forenbeiträge Leser des Autors des Titanic-Artikels war. Bevor wir uns aber zu tief in forensische Analysen vertiefen, womöglich noch zugeben müssen, dass es sich gar nicht um einen Serientäter, sondern um Trittbrettfahrer oder um mehrere völlig verschiedene Einzeltäter handelte, die aus lauter Langeweile voneinander abgeschrieben hatten, um jeweils einmal in ihrem Leben einen möglichst originellen Thread in einem Literaturforum beizusteuern, hören wir an dieser Stelle lieber auf.

Womöglich war das auch nur ein Test, wie oft diese Formulierung tatsächlich in der Literatur zu finden ist, denn der oder die Autoren der Forenbeiträge gaben immer nur die gleichen drei Bücher an, von denen ich leider keines besitze oder gelesen habe, um nachzuprüfen, ob das tatsächlich darin steht. Nicht selten jedoch kam es vor, dass die Mitleser der jeweiligen Literaturforen gar nicht verstanden, worum es dem Ersteller ging, fröhlich berichteten sie von irgendwelchen Hunden, die bellten, pupsten oder mit den Zähnen knirschten. Aber wir wollten ja eigentlich aufhören, hören wir also auf.

Ich saß mittlerweile auf dem Bürostuhl und Trithemius war zur Couch zurückgekehrt. Nirgendwo bellte ein Hund, das Bier war alle und meine Laune auch. Ich ging zurück zum Sessel und atmete schwermütig in die Luft. Trithemius, der sich wirklich bemühte, mir den Abend noch irgendwie angenehm zu gestalten, sprang erneut vom Sofa auf, ging ein paar Schritte und setzte sich erneut vor seinen Rechner. Diesmal wollte er mir etwas anderes zeigen. Ich ging also hinüber und sah ihm über die Schulter. So ging das noch ein paarmal. Bis ich vom vielen Laufen und Stehen und Gucken ganz müde geworden war. Ich fasste den Entschluss, nach Hause zu gehen und vielleicht noch ein wenig zu lesen, einen Kitschroman vielleicht. Vielleicht könnte ich dann von einem Hund lesen, der irgendwo bellt.
nömix - 12. Jan, 21:10

Legte sich etwa gar die Nacht über*, als Sie nach Hause gingen?

Shhhhh - 13. Jan, 08:36

Sie verdunkelte mir die Sinne, will mir scheinen.
nömix - 13. Jan, 21:34

Auch die Miene pflegt sich in der Literatur auffallend häufig* zu verdunkeln.
Lo - 12. Jan, 22:28

Dabei bemühen sich ganz besonders Kitschromanschreiber "mit Liebe zum Detail" zu schreiben.

Shhhhh - 13. Jan, 08:39

Detailverliebtheit ist ja noch schlimmer, das ist ja ein regelrechter Allgemeinplatz!
Trithemius - 13. Jan, 12:47

Tatsächlich hatte ich "irgendwo bellt ein Hund" ja in dem Blog einer Wuppertaler Autorin gelesen und mich sogleich an die Humorkritik von Hans Menz erinnert: "Irgendwo bellt mal kein Hund". Hans Menz ist übrigens ein Sammelpseudonym. Der Name taucht erstmals auf in Eckard Henscheids Schlüsselroman "Die Vollidioten". Ich glaube, Hans Menz heißt da der Kneipenwirt. DAs Foto über der Kolumne zeigt Adorno.

Trithemius - 13. Jan, 12:51

Ach, ich sehe gerade, dass im Internet-Archiv der Titanic gar kein Autorenname bei der Rubrik steht. Deshalb verweise ich interessierte Leserinnen auf die Printausgabe.
Shhhhh - 13. Jan, 19:50

Ich habe mich für deinen Kommentar revanchiert, die Auflösung schicke ich aber erst morgen, hihi;)
Trithemius - 14. Jan, 12:50

Heute ist morgen. Bitte lös auf!
Jossele - 14. Jan, 08:28

Hier ist das, hier in Hütteldorf in Wien, da bellt grad kein Hund.

Shhhhh - 14. Jan, 15:35

Ich weiß nicht so recht, ob ich Sie jetzt beglückwünschen oder bemitleiden soll, seien Sie meiner Anteilnahme aber gewiss;)
montez - 16. Jan, 20:03

Nur für Sie bellt bei mir drüben ein Hund. Das haben Sie ganz wunderbar geschrieben. Hatte ich vergessen.

Shhhhh - 16. Jan, 22:19

Und ich dachte immer, Sie seien eher der Katzenfan.
montez - 17. Jan, 09:44

Da haben Sie mich wohl verwechselt. Ich mag die alle.
Flusskiesel (Gast) - 22. Jan, 10:01

Rocktheater N8chtschicht

Auf der CD "Radio N8chtschicht" gibt es ein Lied von Fritz Eckenga, wo jede Strophe mit dem Satz endet.
Das Lied endet nicht gut - zumindest nicht für den Hund.

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Zuletzt aktualisiert: 18. Sep, 17:24

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